Maijoor: Besserer EU-Kapitalmarkt nützt den Niederlanden
Ein besser funktionierender europäischer Kapitalmarkt nützt den Niederlanden, so Steven Maijoor von der DNB. Er betonte die Vorteile des Marktintegrations- und Aufsichtspakets (MISP) bei einem Runden Tisch am 17. Juni 2026.
Zentrale Aufsicht als Stabilitätsanker
Die DNB unterstützt die europäische Ambition der Spar- und Investitionsunion (SIU), da Europa über reichlich Kapital verfügt, das jedoch noch nicht effizient in produktive Investitionen fließt.
Ein tieferer und integrierterer Kapitalmarkt kann Europas Wettbewerbsfähigkeit stärken, Innovationen fördern und Bürgern sowie Unternehmen bessere Spar- und Anlagemöglichkeiten bieten.
Für die Niederlande als offene Wirtschaft mit einem entwickelten Kapitalmarkt ist diese Agenda von großer Bedeutung.
Die DNB und die AFM befürworten eine direkte ESMA-Aufsicht über signifikante Marktinfrastrukturen, insbesondere bei EU-weiten Dienstleistungen.
Eine zentralisierte europäische Aufsicht reduziert fragmentierte und ineffiziente Überwachung, begrenzt Regulierungsarbitrage, bündelt Expertise und Daten und bietet eine zentrale Anlaufstelle für grenzüberschreitend tätige Unternehmen.
Diese Zentralisierung ist ein wichtiges unterstützendes Element für den Erfolg der SIU und bietet klare Vorteile für die Finanzstabilität, da grenzüberschreitende Risiken am besten auf europäischer Ebene überwacht und angegangen werden können.
Hürden bleiben, Fortschritte möglich
Zentralisierung ist jedoch kein Allheilmittel.
Eine erfolgreiche SIU erfordert primär stärkere und tiefere europäische Kapitalmärkte, die mehr Ersparnisse in Kapitalmarktanlagen lenken.
Zudem müssen strukturelle Barrieren, wie unterschiedliche Insolvenzgesetze, angegangen werden.
Das MISP kann zwar nicht alle Fragmentierung beseitigen, aber es leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung gleicher Wettbewerbsbedingungen, zur Reduzierung von Ineffizienzen und zur Förderung einer konsistenteren Aufsicht.
Entscheidend ist der Abbau von Hindernissen für grenzüberschreitende Dienstleistungen.
Die Stärkung der Interoperabilität und des offenen Zugangs zwischen Handelsplätzen, zentralen Gegenparteien und Zentralverwahrern bleibt eine Schlüsselpriorität.
Marktteilnehmer sollen ihre bevorzugte Marktinfrastruktur frei wählen können, ohne durch Cross-Selling-Praktiken eingeschränkt zu werden.
Vier Prioritäten für ein starkes MISP
Die DNB formuliert vier entscheidende Prioritäten für das MISP, um dessen Wirksamkeit zu gewährleisten.
Eine klare Governance bei direkter ESMA-Aufsicht und eine vollständige prudenzielle Verantwortung für Handelsplätze sind dabei unerlässlich.
Zudem muss die ESMA eine stärkere makroprudenzielle Rolle erhalten und die Aufsicht effizient sowie kostensensibel gestaltet werden, um Doppelstrukturen zu vermeiden.