DNB-Vorstand Sleijpen: Europas Stabilität braucht Einheit und Wachstum
DNB-Vorstandsmitglied Olaf Sleijpen betonte in einer Rede in Groningen die Notwendigkeit europäischer Einheit, um Stabilität, Resilienz und Wachstum in einer zunehmend unsicheren Welt zu gewährleisten. Er hob drei Säulen hervor, die für die Zukunft Europas entscheidend sind.
Europas Antwort auf eine fragmentierte Welt
Die globale Ordnung, einst auf Kooperation und Freihandel basierend, weicht einer fragmentierten Realität, in der Großmächte eigene Interessen verfolgen.
Handelszölle und die Instrumentalisierung kritischer Infrastrukturen nehmen zu, was für kleine, offene Volkswirtschaften wie die Niederlande Unsicherheit und Schockrisiken erhöht.
Sleijpen nannte drei Handlungsfelder: Resilienz stärken, Wachstum fördern und Stabilität sichern.
Resilienz erfordert den Aufbau eigener Kapazitäten in digitalen Diensten und Energie, ergänzt durch neue Partnerschaften zur Diversifizierung von Abhängigkeiten.
Europa hinkt im Wachstum den USA und China hinterher.
Um den europäischen Lebensstil zu erhalten und große Transformationen zu finanzieren, muss das Wachstumspotenzial gesteigert werden.
Die Vertiefung des europäischen Binnenmarktes durch den Abbau von Barrieren für Güter, Dienstleistungen, Personen und Kapital birgt laut EZB-Analysen ein enormes, ungenutztes Potenzial.
Auch die Integration der Kapitalmärkte ist unerlässlich, um Unternehmen Risikokapital bereitzustellen.
Stabilität als Fundament: Cyberrisiken und Bankenregulierung
Monetäre, finanzielle und fiskalische Stabilität sind das dritte Fundament einer starken Wirtschaft.
Zentralbanken wie DNB und EZB arbeiten täglich an Inflationskontrolle und der Sicherheit von Banken.
Eine Top-Priorität ist die Vorbereitung des Finanzsektors auf großflächige Cyberangriffe, deren Risiko durch geopolitische Spannungen und KI-Entwicklungen stark zugenommen hat.
Sleijpen nannte den Deepfake-Betrug in Hongkong als warnendes Beispiel.
Auch die Bankenregulierung erfordert stetigen Einsatz: Nach der Finanzkrise wurden Regeln verschärft, was Banken widerstandsfähiger machte.
Vereinfachung ist nötig, darf aber nicht mit Deregulierung verwechselt werden, da dies das System in Zeiten steigender Risiken schwächen würde.
Selbst bei Krypto-Assets und Stablecoins, die Risiken für das Finanzsystem bergen, sind klare Regeln entscheidend.
Nationaldenken ist überholt
Sleijpen unterstreicht die Dringlichkeit einer europäischen Perspektive, da nationale Interessen und europäische Ziele in einer unsicheren Welt zunehmend konvergieren.
Zentralbanken agieren hier als Vorreiter der Integration, wie die EZB-Ratssitzungen zeigen.
Die Jugend sei der Schlüssel zur Stärkung dieser europäischen Identität und Resilienz.