Sleijpen: Kapitalmarktunion in Europa braucht mehr Tempo
DNB-Direktor Olaf Sleijpen mahnt in London zur Beschleunigung der europäischen Kapitalmarktunion. Er betont die Dringlichkeit von Reformen und einer erneuerten Zusammenarbeit zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich.
Ein Wettlauf gegen die Zeit
DNB-Direktor Olaf Sleijpen vergleicht Europas Weg zu einer Spar- und Investitionsunion mit Phileas Foggs Wettlauf gegen die Zeit.
Europa stehe unter enormem Druck: Geopolitische Bedrohungen aus dem Osten und von China, schwierige Beziehungen zu den USA, eine alternde Bevölkerung, Klimawandel und stagnierendes Produktivitätswachstum.
Die europäische Wirtschaft müsse produktiver, dynamischer und wettbewerbsfähiger werden.
Doch im Gegensatz zu Fogg handle Europa nicht, als sei es in einem Rennen.
Während die europäische Wiederbewaffnung rasch voranschreite, bewege sich die Kapitalmarktreform im Schneckentempo.
Sleijpen zitiert Draghi und Letta, um zu unterstreichen, wie viel auf dem Spiel steht.
Die Diskussion über einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt ziehe sich seit Jahren hin, ohne die nötigen praktischen Ergebnisse zu liefern.
Pragmatismus statt langwieriger Harmonisierung
Sleijpen betont die Notwendigkeit, Hindernisse pragmatisch zu überwinden.
Statt auf langwierige Harmonisierung bei Insolvenz-, Steuer- oder Gesellschaftsrecht zu warten, solle man sich auf wirkungsvolle und realisierbare Schritte konzentrieren.
Er unterstützt den Vier-Säulen-Ansatz der EU-Kommission, der Angebots- und Nachfrageseite, Marktinfrastruktur und Aufsicht adressiert.
Die Vorschläge der Kommission seien ambitioniert und zielten auf Bereiche ab, in denen Fortschritte realistisch seien.
Der Kanal als Schlüssel zum Erfolg
Die Einbindung des Vereinigten Königreichs ist für Europas Kapitalmarktunion entscheidend.
Die EU hat mit dem Brexit ihren tiefsten Kapitalmarkt verloren, doch die britische Expertise, etwa bei der automatischen Rentenversicherung, bietet wertvolle Lehren.
Eine engere Zusammenarbeit über den Kanal hinweg ist daher nicht nur wünschenswert, sondern unerlässlich, um die gemeinsame Herausforderung zu meistern.