Spar- und Investitionsunion entscheidend für Europas Zukunft
Olaf Sleijpen von der DNB fordert eine stärkere Spar- und Investitionsunion. Er mahnt die EU-Mitgliedstaaten, bestehende Barrieren für einen besseren Kapitalfluss zu beseitigen.
Die klemmende Geldmaschine Europas
In Europa sollte Geld leichter von Ersparnissen in produktive Investitionen fließen können, so Olaf Sleijpen.
Er betonte: "Europas Wettbewerbsfähigkeit ist in aller Munde.
Und gut funktionierende Kapitalmärkte sind dafür unerlässlich.
" Doch die europäischen Kapitalmärkte gleichen einer 'klemmenden Geldmaschine': Sie bleiben fragmentiert, behindert durch 27 unterschiedliche Insolvenzregime und zahlreiche nationale Anforderungen bei grenzüberschreitenden Investitionen und der Aufsicht.
Dies erschwert es, Kapital über Ländergrenzen hinweg zu investieren, und Europa verpasst dadurch wichtige Investitionsmöglichkeiten, Risikokapital für Unternehmen – insbesondere Scale-ups – sowie Innovationen.
Die Folge ist ein geringeres Wirtschaftswachstum.
Sleijpen illustriert dies mit zwei Zahlen: Haushalte in Europa halten über 10 Billionen Euro in niedrig verzinsten Bankeinlagen, während seit 2008 über 30 Prozent der europäischen 'Unicorns' in die USA abgewandert sind, oft aufgrund mangelnden Risikokapitals.
Schritt für Schritt zur Kapitalmarktunion
Die DNB unterstützt die Strategie der Europäischen Kommission zur Spar- und Investitionsunion nachdrücklich.
Sleijpen begrüßt Initiativen zur Kanalisierung von Haushaltseinlagen in Kapitalmärkte, wie die Vorschläge zur Pensionsreform und zu Bürgersparkonten.
Mehrere Länder, darunter die Niederlande, beteiligen sich an einer 'Koalition der Willigen' über die Initiative 'Finance Europe', um Kleinanlegerinvestitionen zu fördern.
Jüngst veröffentlichte die Kommission ihr Marktintegrationspaket mit weitreichenden Vorschlägen zur Harmonisierung der Aufsicht unter ESMA, die von der DNB unterstützt werden.
Eine stärkere europäische Aufsicht über bedeutende grenzüberschreitende Marktteilnehmer und Infrastrukturen wird als logischer Schritt erachtet.
Hausaufgaben für die Mitgliedstaaten
Ein integrierter europäischer Kapitalmarkt erfordert jedoch mehr als nur Kommissionsinitiativen; die Mitgliedstaaten müssen dringend weitere Barrieren in Bereichen wie Besteuerung und Insolvenzrecht beseitigen.
Zudem ist ein Fortschritt bei der Bankenunion unerlässlich, beispielsweise durch die Vereinfachung des Regelwerks für Banken, ohne dabei die finanzielle Solidität zu gefährden.
Ohne diese nationalen Anstrengungen und eine stärkere Bankenunion bleibt Europas 'Geldmaschine' blockiert, was Wohlstand und Stabilität gefährdet.