DNB: Zinsweitergabe an Einlagen in Eurozone ungleichmäßig
DNB-Ökonomen Jan Kakes und Anna Samarina untersuchen die Weitergabe von Marktzinsen an Bankeinlagenzinsen im Euroraum. Ihre Studie zeigt: Die Zinsweitergabe ist signifikant, aber ungleichmäßig und hängt stark von Marktstruktur und Bankbilanzen ab.
Marktstruktur bremst Zinsweitergabe
Eine Studie der De Nederlandsche Bank (DNB) von Jan Kakes und Anna Samarina analysiert die Weitergabe von Marktzinsen an Bankeinlagenzinsen im Euroraum.
Basierend auf Bankdaten von Juli 2007 bis März 2025 zeigen die Ergebnisse eine signifikante, aber ungleichmäßige Zinsweitergabe.
Sie ist stärker bei Termin- und Unternehmenseinlagen als bei Sichteinlagen und Haushaltseinlagen.
Die Effektivität nimmt in einem Niedrigzinsumfeld ab, was auf die Zinsuntergrenze (ZLB) zurückzuführen ist, und variiert erheblich zwischen den Ländern.
Strukturelle Merkmale des Bankensektors spielen eine entscheidende Rolle: Banken in stärker konzentrierten Märkten zeigen eine geringere Zinsweitergabe.
Auch Institute mit größeren Liquiditätspuffern, stärkerer Kapitalisierung und höherer Abhängigkeit von Einlagenfinanzierung passen ihre Einlagenzinsen weniger an.
Eine höhere Kundenwechselhäufigkeit und höhere Gebühren für Zahlungskonten sind hingegen mit einer stärkeren Zinsweitergabe bei Sichteinlagen von Haushalten verbunden.
Mehr als nur der Zinssatz
Die Zinsweitergabe ist für Zentralbanken und Wettbewerbsbehörden gleichermaßen relevant.
Eine träge Zinsanpassung kann die geldpolitische Transmission behindern, während eine begrenzte Weitergabe auf übermäßige Marktkonzentration hindeuten kann.
Die DNB-Studie berücksichtigt bisher wenig erforschte Aspekte: die Wahl der Benchmark-Marktzinsen, länderspezifische Regulierung und die Bedeutung von Nicht-Zins-Merkmalen wie Zahlungsdiensten.
Die Autoren leisten einen dreifachen Beitrag: einen umfassenden Ansatz über verschiedene Benchmark-Raten und Kundensegmente hinweg, die Einbeziehung von Indikatoren für Zahlungsdienste als strukturelle Treiber und die Anwendung zweier komplementärer Methoden (Local Projections und Error-Correction-Modell).
Bankenmacht im Zinsspiel
Diese Studie bestätigt bekannte Mechanismen der Zinsweitergabe, liefert aber wichtige neue Details zur Rolle von Zahlungsdiensten und der Wahl der Benchmark-Raten.
Die Erkenntnisse unterstreichen die anhaltenden Herausforderungen für die geldpolitische Transmission, insbesondere in Zeiten niedriger Zinsen.
Für Verbraucher bedeutet die ungleichmäßige Weitergabe, dass sie in konzentrierten Märkten weiterhin benachteiligt sein könnten.