DNB-Studie: Verteidigungsausgaben – kurzfristig gebremst, langfristig Chance
Die De Nederlandsche Bank (DNB) analysiert die wirtschaftlichen Folgen steigender Verteidigungsausgaben in den Niederlanden. Kurzfristig sind die Effekte begrenzt, doch langfristig eröffnen sich bei strategischer Planung Chancen.
Kurzfristig gebremst durch Importe und Arbeitsmarkt
Höhere Verteidigungsausgaben werden die niederländische Wirtschaft kurzfristig nicht automatisch ankurbeln.
Enge Arbeitsmärkte und eine hohe Importabhängigkeit begrenzen die kurzfristigen Gewinne.
Historische europäische Daten zeigen zwar moderate mittelfristige Zuwächse bei Produktion, Investitionen und Produktivität, diese lassen sich jedoch nicht eins zu eins auf die Niederlande übertragen.
61 Prozent der öffentlichen Verteidigungsinvestitionen fließen direkt ins Ausland.
Zudem ist die niederländische Verteidigungsindustrie selbst stark importabhängig, was indirekt zu weiteren Abflüssen führt.
Dies gilt sowohl im Vergleich zu anderen niederländischen Sektoren als auch zu anderen europäischen Verteidigungsindustrien.
Gekoppelt mit historisch niedrigen F&E-Investitionen im Verteidigungsbereich schränkt dies die Möglichkeiten für heimische Spillover-Effekte ein.
Angesichts der strategischen Dringlichkeit, das neue NATO-Ziel von 3,5 Prozent des BIP bis 2035 zu erreichen, bleibt der politische Spielraum zur Abmilderung dieser kurzfristigen Beschränkungen gering.
Langfristige Chancen durch Koordination und Dual-Use
Langfristig können Verteidigungsausgaben wirtschaftliche Chancen schaffen, erfordern aber klare strategische Entscheidungen, europäische Koordination und einen glaubwürdigen langfristigen Investitionsplan.
Die Niederlande sollten Abhängigkeiten von nicht-europäischen Verteidigungslieferanten reduzieren, primär durch europäische Spezialisierung statt nationaler Selbstversorgung.
Die Studie identifiziert Technologien und Produkte in Kern- und Dual-Use-Sektoren, in denen die Niederlande technologische Vorteile besitzt, etwa bei Halbleiter-Lithographie und Schiffsausrüstung.
Hier könnte ein Ausbau relativ kostengünstig erfolgen.
Die Niederlande hinken jedoch bei der Kernverteidigungsinnovation ihren europäischen Partnern hinterher und ihre Produktionsstruktur ist für einen schnellen Ausbau der Kernverteidigungsgüterfertigung ungeeignet.
Europäische Spezialisierungen ergänzen sich, wobei jedes relevante Feld von mindestens einem Land abgedeckt wird.
Die Nutzung dieser komparativen Vorteile hängt von effektiver multilateraler Koordination innerhalb Europas ab.
Hohe Vorabinvestitionen sind nötig, wofür die Beteiligung des Privatsektors unerlässlich ist.
Ein glaubwürdiger öffentlicher Langfrist-Investitionsplan, der private Investoren Planungssicherheit gibt, ist eine weitere wesentliche Bedingung für effiziente strategische Verteidigungsziele.
Weckruf für eine strategische Neuausrichtung
Die DNB-Analyse entlarvt die Illusion schneller Wirtschaftsimpulse durch Verteidigungsausgaben in einem überhitzten Arbeitsmarkt.
Stattdessen fordert sie eine mutige, europäisch koordinierte Strategie, um langfristige Vorteile in Dual-Use-Technologien zu heben.
Ohne diese Weichenstellung drohen die Milliardeninvestitionen im Ausland zu versickern, ohne nachhaltigen Mehrwert für die heimische Wirtschaft.
Quelle: The economic consequences of defence spending
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