DNB: Nahost-Krieg treibt Inflation, bremst Wachstum in Niederlanden
Der Krieg im Nahen Osten könnte die Inflation in den Niederlanden deutlich anheizen, wenn auch weniger stark als während der Energiekrise 2022. In einem schweren Szenario würde sich das Wirtschaftswachstum erheblich verlangsamen, so neue Berechnungen der De Nederlandsche Bank (DNB).
Drei Szenarien, deutliche Auswirkungen
Der Krieg im Nahen Osten könnte die Inflation in den Niederlanden deutlich anheizen und das Wirtschaftswachstum erheblich bremsen, so die De Nederlandsche Bank (DNB).
Die Auswirkungen könnten gravierend sein, aber voraussichtlich weniger stark ausfallen als während der Energiekrise 2022.
Seit Ende Februar stiegen die Ölpreise um rund 45 Prozent auf über 100 US-Dollar pro Barrel, Gas verteuerte sich um 100 Prozent auf über 60 Euro pro Megawattstunde.
Die DNB untersuchte drei Szenarien: ein Update der Herbstprognosen 2025, ein ungünstiges und ein schweres Szenario.
Im Update-Szenario steigt die Inflation 2026 und 2027 um mehr als einen halben Prozentpunkt, mit geringem Einfluss auf das Wachstum.
Im ungünstigen Szenario sinkt das Wirtschaftswachstum 2026 um einen halben Prozentpunkt, während die Inflation um rund einen Prozentpunkt zulegt.
Das schwerste Szenario prognostiziert einen Wachstumsrückgang von 0,8 Prozentpunkten in den Jahren 2026 und 2027.
Die Inflation würde hier 2026 um 1,6 Prozentpunkte und 2027 um 2,8 Prozentpunkte zulegen.
Auch die verfügbaren Haushaltseinkommen sind betroffen: Im Update-Szenario sinken sie für den Durchschnittshaushalt um 1 Prozent, im schweren Szenario um 6 Prozent.
Modelle und Unsicherheitsfaktoren
Der Anstieg der Energiepreise resultiert aus Störungen der Öl- und Gasversorgung durch Angriffe auf Produktionsanlagen und Irans Blockade der Straße von Hormus.
Die Unsicherheit über den Kriegsverlauf verstärkt die Preisschwankungen.
Die DNB analysierte die Folgen für die niederländische Wirtschaft mittels makroökonomischer Modelle (Delfi und NiGEM).
Erhöhte Unsicherheit, abgebildet durch höhere Risikoprämien auf Aktien und Kredite, wurde ebenfalls berücksichtigt.
Die Szenarien sind konsistent mit EZB-Projektionen, nehmen jedoch keine Änderungen der Geld- und Fiskalpolitik an.
Ein Mikrosimulationsmodell schätzte zudem die Auswirkungen auf Haushaltseinkommen, wobei nur Energiekostensteigerungen berücksichtigt wurden.
Diese Ergebnisse stellen eine Obergrenze dar, da Verhaltensänderungen wie Energieeinsparungen nicht einbezogen wurden.
Fragile Abhängigkeit, hohe Inflationsrisiken
Die DNB-Analyse unterstreicht die fragile Abhängigkeit der niederländischen Wirtschaft von geopolitischen Konflikten.
Besonders besorgniserregend ist das Risiko anhaltend hoher Inflation durch Zweitrundeneffekte, sollte der Krieg länger dauern und die Infrastruktur weiter beschädigen.
Dies verdeutlicht die Notwendigkeit einer proaktiven Geldpolitik, um Preisstabilität zu gewährleisten und die geschätzten Inflationsrisiken zu mindern.