Befreiung von Ersteinschusszahlungen gilt auch für Altverträge
Die europäischen Aufsichtsbehörden EBA, EIOPA und ESMA schlagen eine Entlastung bei den Ersteinschusspflichten für bilaterale OTC-Derivate vor. Fällt eine Gegenpartei unter die Schwelle von 8 Milliarden Euro, sollen künftig auch bestehende Verträge von den Margenanforderungen befreit werden.
Befreiung ohne Altlasten
Die europäischen Finanzaufsichtsbehörden EBA, EIOPA und ESMA haben der EU-Kommission den Entwurf überarbeiteter technischer Regulierungsstandards (RTS) vorgelegt.
Die Neuregelung betrifft bilaterale OTC-Derivate, die nicht über eine zentrale Gegenpartei abgewickelt werden.
Bislang galt: Unterschreitet eine Partei die Schwelle eines durchschnittlichen Bruttonennwerts von 8 Milliarden Euro (AANA), entfiel die Pflicht zur Ersteinschusszahlung (Initial Margin) lediglich für neue Kontrakte.
Das Aufrechterhalten von Berechnung, Austausch und Verwahrung für Altverträge verursachte erheblichen operativen Aufwand.
Die Entwürfe weiten die Freistellung nun auf Altverträge aus und erlauben die Freigabe bereits gestellter Sicherheiten bereits ab dem 1. Juni.
Asymmetrischer Zeitplan schützt Marktteilnehmer
Der neue Mechanismus bringt eine zeitliche Asymmetrie zum Vorteil der Institute.
Sinkt das Handelsvolumen unter 8 Milliarden Euro, greift die Befreiung bereits ab dem 1. Juni des laufenden Jahres.
Steigt ein Akteur hingegen wieder über den Schwellenwert, gilt die Nachschusspflicht für Neugeschäfte erst ab dem 1. Januar des Folgejahres.
Dies gewährt Marktteilnehmern eine ausreichende Vorbereitungszeit.
Zudem streichen die Aufsichtsbehörden veraltete Übergangsregeln für Aktien- und Indexoptionen, um den Text an die Vorgaben der EMIR-3-Verordnung anzupassen.
Pragmatismus schlägt Bürokratie
Die Initiative schließt eine Regulierungslücke, die EU-Akteuren bisher Nachteile im globalen Wettbewerb bescherte.
Die Befreiung von Altverträgen setzt Kapital frei und baut teure administrative Hürden ab.
Ein pragmatischer Schritt der Aufsichtsbehörden, der Entlastung bringt, ohne neue Systemrisiken zu schaffen.