Aufsicht warnt vor externen Abhängigkeiten und Private Credit
Die europäischen Aufsichtsbehörden EBA, EIOPA und ESMA fordern eine verstärkte Risikoüberwachung im EU-Finanzsektor. Der gemeinsame Herbstbericht 2026 warnt vor Verwundbarkeiten durch Drittstaaten-Abhängigkeiten, KI-gestützte Cyberangriffe und das wachsende Private-Credit-Volumen.
Klumpenrisiken jenseits der EU-Grenzen
Die europäischen Aufsichtsbehörden verweisen auf erhebliche externe Abhängigkeiten der Finanzmärkte.
Bei europäischen Aktienfonds entfallen 52 Prozent der geografischen Engagements auf die USA, während das Zins- und Kreditderivate-Clearing weiterhin stark von britischen und US-amerikanischen zentralen Gegenparteien abhängt.
Im Bankensektor stufen rund 80 Prozent der Institute die Abhängigkeit von IT-Dienstleistern aus Drittstaaten als größte operative Herausforderung ein; 60 Prozent nennen Abhängigkeiten bei Zahlungsdiensten.
Trotz anhaltender geopolitischer Spannungen präsentieren sich die Banken der EU mit einer harten Kernkapitalquote von 16,2 Prozent und einer Eigenkapitalrendite von 10,5 Prozent im ersten Quartal 2026 liquide und kapitalstark.
Schattenbanken und Quantengefahren
Besondere Wachsamkeit verlangen die Aufseher im Private-Credit-Sektor und bei neuen Technologien.
Die Kredite von EU-Banken an Schattenbanken stiegen 2025 um 10,4 Prozent auf knapp 150 Mrd. Euro, was 0,6 Prozent der Bilanzsumme entspricht.
Parallel verschärfen fortschrittliche KI-Modelle das Bedrohungspotenzial für Cyberangriffe, indem sie Sicherheitslücken in IT-Systemen beschleunigt aufspüren.
Zudem fordert der Bericht frühzeitige Vorbereitungen auf Post-Quanten-Kryptografie bis Ende 2026.
Diagnose treffend, Therapie zahnlos
Die Analyse benennt reale Schwachstellen bei US-Tech-Riesen und Schattenbanken präzise.
Doch statt scharfer Vorgaben liefern die Behörden lediglich altbekannte Monitoring-Appelle.
Ohne verbindliche Grenzen bleibt die europäische Souveränität im Krisenfall eine Illusion.