Starke Kapitalbasis macht Bankenwettbewerb zum Risikodämpfer
Mehr Wettbewerb im Kreditgeschäft verringert Kreditrisiken vor allem bei soliden Banken. Eine EZB-Studie von Javier Arranz Barquero, Christian Hellum Bertelsen und Christoffer Kok analysiert dazu Daten von 146 Instituten aus 19 Euroländern von 2020 bis 2025.
77 Basispunkte weniger Kreditausfälle
Die Autoren untersuchen 146 Institute aus 19 Ländern von 2020 bis 2025 auf Basis vertraulicher EZB-Aufsichtsdaten.
Gemessen werden NPL-Quote, Stage-3-Quote sowie Ausfallquoten bei Krediten an Nichtfinanzunternehmen.
Die Preissetzungsmacht wird mittels risiko-adjustiertem Lerner-Index erfasst.
Bei Banken am 90. Perzentil der Tier-1-Kapitalverteilung senkt ein Wettbewerbsanstieg um eine Standardabweichung die NPL- und Stage-3-Quoten um rund 77 Basispunkte und die Ausfallquote um 87 Basispunkte.
Dies entspricht 0,19 bis 0,33 Standardabweichungen des Kreditrisikos.
Bei schwach kapitalisierten Instituten verpufft der dämpfende Effekt hingegen vollständig.
Aufsichtsrechtliche Puffer als Wirkungshebel
Die Ergebnisse stützen den Kreditnehmer-Risiko-Kanal: Sinkende Kreditzinsen mindern die Zinslast der Schuldner und reduzieren Ausfallrisiken.
Dieser Mechanismus entfaltet sich jedoch nur, wenn Banken über hinreichende Verlustpuffer verfügen.
Die Autoren weisen diesen Zusammenhang auch für den Kapitalabstand zu den Mindestanforderungen wie OCR, TSCR und P2G nach.
Frühere Studien lieferten gemischte Befunde, weil sie aggregierte Stabilitätsindikatoren statt der tatsächlichen Preissetzungsmacht bei Neukrediten heranzogen.
Wettbewerb braucht harte Puffer
Das Papier widerlegt die These, dass Bankenwettbewerb zwangsläufig die Finanzstabilität untergräbt.
Gleichzeitig zeigt sich, dass Marktöffnung ohne harte Kapitalvorgaben ins Leere läuft.
Wettbewerbsförderung und strenge Solvenzregeln sind keine Gegensätze, sondern müssen Hand in Hand gehen.