Banken mit Anleihen geben Zinsschritte langsamer weiter
Die Refinanzierungsstruktur von Banken steuert die Transmission der Geldpolitik im Euroraum maßgeblich. Laut einer EZB-Studie von Guido Spanò und Juan Manuel Figueres federn ein hoher Anleiheanteil und feste Zinsbindungen Leitzinsschocks spürbar ab.
Geldmarkt treibt Tempo, Anleihen bremsen
Auf Aggregatebene erreichen Zinsschritte der EZB Unternehmenskredite nur zu 40 Prozent unmittelbar und zu 80 Prozent nach drei Monaten.
Bei Sichteinlagen von Haushalten liegt die Weitergabe bei unter 20 Prozent.
Die Mikrodaten von 266 Banken aus den Jahren 2007 bis 2023 belegen jedoch gravierende Unterschiede im Bankensektor.
Institute, die sich vorwiegend über kurzfristige Geldmärkte refinanzieren, passen ihre Kreditsätze rasch und anhaltend an Zinsänderungen an.
Dagegen reagieren Institute mit hohem Anleiheanteil an den Verbindlichkeiten deutlich träger.
Der Grund: Festverzinsliche Anleihen schirmen die Refinanzierungskosten kurzfristig ab, sodass kein unmittelbarer Zwang zur Anpassung der Kreditzinsen entsteht.
Feste Zinsbindung dämpft Konjunkturimpulse
Die schwächste Zinsreaktion zeigen Banken, die langfristige Anleiheverbindlichkeiten mit langfristigen Festzinskrediten kombinieren.
Dieses Zusammenspiel im Asset-Liability-Management schützt sowohl die Refinanzierungsseite als auch die Zinserträge vor Zinsschwankungen.
Ein kalibriertes neukeynesianisches Modell zeigt die makroökonomische Relevanz: Unter Berücksichtigung der realen Zinsträgheit reagiert das BIP um rund einen Prozentpunkt und die Inflation um zwei Basispunkte schwächer als bei vollständiger Weitergabe.
Standardmodelle unterschätzen die Trägheit
Modelle mit perfekter Zinsweitergabe überschätzen die geldpolitische Wirkung auf Wachstum und Inflation systematisch.
Das Fristenmanagement der Geschäftsbanken wirkt wie ein Puffer gegen geldpolitische Impulse.
Zentralbanken müssen Bilanzstrukturen genauer analysieren, um Fehlkalkulationen bei der Zinssteuerung zu vermeiden.