Vujčić sieht Haushaltsumfragen als Kern der Transmission
ECB Speech

Vujčić sieht Haushaltsumfragen als Kern der Transmission

Private Haushalte bilden Erwartungen anders als Finanzprofis und reagieren stark auf Güterpreise. EZB-Vizepräsident Boris Vujčić plädierte am 1. September 2026 in Berlin für eine stärkere Nutzung von Verbraucherumfragen bei Zinsentscheidungen und Kommunikation.

Sichtbare Preise und ungleiche Wahrnehmung

EZB-Vizepräsident Boris Vujčić hob bei der ESMT Berlin anlässlich der Verleihung einer Humboldt-Professur an Michael Weber hervor, dass Haushalte keine vollkommen rationalen Erwartungen bilden.

Alltägliche Ausgaben für Lebensmittel und Treibstoff prägen die Inflationswahrnehmung ungleich stärker als gesamtwirtschaftliche Daten.

Zudem belegen Erhebungen des Consumer Expectations Survey der EZB deutliche Unterschiede nach Einkommen, Vermögen und Geschlecht.

Während kurzfristige Annahmen stark auf Preisschocks reagieren, bleiben längerfristige Erwartungen meist um das Inflationsziel von 2,0 Prozent verankert.

Für die geldpolitische Modellierung müssen solche Informationsfriktionen berücksichtigt werden.

Einfache Sprache statt Instrumentenkunde

Kommunikation fungiert als integraler Bestandteil der Zinstransmission.

„Letztlich hängt Glaubwürdigkeit davon ab, was wir tun und ob es mit dem übereinstimmt, was wir sagen“, betonte Vujčić.

In Phasen niedriger Inflation fehle Bürgern oft die Aufmerksamkeit, während hohe Teuerungsraten zwar Interesse wecken, aber den Raum für neue Fakten einengen.

Geopolitische Unsicherheiten dämpfen zudem direkt die Konsumnachfrage.

Vujčić mahnte überdies eine strikte Qualitätssicherung gegen Befragungsmüdigkeit und KI-generierte Falschantworten an.

Zuhören ersetzt keine Taten

Die Abkehr von der Rationalitätshypothese ist für die Notenbank überfällig.

Bessere Umfragedaten verpuffen jedoch, solange Zinsentscheidungen in technokratischer Sprache verharren.

Glaubwürdigkeit entsteht durch echte Preisstabilität und nicht durch wohlfeile Kommunikationsformate.

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