Vujčić fordert weniger Binnenmarkthürden gegen externe Schocks
ECB Rede

Vujčić fordert weniger Binnenmarkthürden gegen externe Schocks

Boris Vujčić, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), fordert in Dublin mehr europäische Integration. Schon 2 Prozent weniger Binnenmarkthürden könnten langfristig die auf 0,7 Prozentpunkte geschätzten BIP-Verluste durch höhere US-Zölle 2025 bis 2027 ausgleichen.

Binnenmarkthürden bremsen die Risikoteilung

Abweichende nationale Regeln verteuern den Binnenhandel laut Vujčić wie Zölle von bis zu 67 Prozent für Waren und 95 Prozent für Dienstleistungen.

Seit 2014 sanken geschätzte Hürden für grenzüberschreitenden Aktienbesitz im Euroraum um 12 Prozentpunkte, gegenüber den USA um 25. US-Wagniskapitalfonds investieren rund sechsmal so viel wie EU-Fonds.

Märkte und Fiskaltransfers federn in den USA rund 70 Prozent regionaler Produktionsschocks ab, im Euroraum nur 30 Prozent; dessen Kapitalmärkte tragen lediglich 5 bis 10 Prozent bei.

Besonders pandemiebetroffene europäische Firmen mit überwiegend heimischen Aktionären kürzten Investitionen um 20 Prozent stärker als Firmen mit internationaler Aktionärsbasis.

Europäische Firmen reduzierten bei höheren Ölpreisen Investitionen, US-Firmen dagegen nicht.

Einlagenschutz und Zahlungsverkehr europäisch absichern

Vujčić verlangt die Vollendung der Spar- und Investitionsunion, ein europäisches Einlagensicherungssystem sowie harmonisierte Gläubigerrangfolgen, Insolvenzregeln und Quellensteuern.

Kapital und Liquidität sollen innerhalb grenzüberschreitender Bankengruppen frei fließen.

Mit Kommissarin Albuquerque sieht er sich bei dieser Agenda eng abgestimmt.

Der digitale Euro soll die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsanbietern senken.

Für digitale Großbetragszahlungen verweist er auf den Start von Pontes im September.

Ein stärker vernetzter Energiemarkt soll vor allem auf erneuerbaren Quellen beruhen.

Offenheit braucht gemeinsame Absicherung

Die EU importiert 57 Prozent ihrer Energie und bleibt damit externen Schocks ausgesetzt.

Angebotsfaktoren prägten laut Vujčić drei große Schocks: 2020, 2022 und 2026.

Seine Folgerung lautet deshalb nicht Abschottung, sondern mehr Integration, damit gemeinsame Märkte länderspezifische Belastungen besser verteilen.

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