Vujčić bremst Zinserwartungen und fordert Mindestreserven
EZB-Vizepräsident Boris Vujčić warnt vor einer Reduzierung von Banken-Kapitalanforderungen und stellt Mindestreserven als Instrument zum Liquiditätsabbau heraus. In einem Reuters-Interview erteilte er einer Festlegung auf künftige Zinspfade eine Absage.
Mindestreserven gegen Liquiditätsschwemme
EZB-Vizepräsident Boris Vujčić betonte, dass der EZB-Rat trotz hoher Energiepreise strikt von Sitzung zu Sitzung entscheide.
Die Nahrungsmittelinflation werde laut EZB-Projektion im dritten Quartal 2027 bei 3,4 Prozent ihren Höhepunkt erreichen.
Bei der Überschussliquidität spricht sich Vujčić für höhere Mindestreserven aus: „Mindestreserven bleiben ein nützliches geldpolitisches Instrument“, sagte Vujčić.
Damit lasse sich die Liquidität aus den früheren Anleihekäufen unkompliziert sterilisieren, statt auf komplexe Staffelzinsen zurückzugreifen.
Den Renditeanstieg bei Staatsanleihen wertet er nicht als Gefahr für die Finanzstabilität des Bankensektors.
Integration statt Deregulierung für Banken
Vor dem Treffen mit den EU-Finanzministern in Dublin warnte Vujčić vor einer Lockerung der Eigenkapitalregeln: Eine Senkung führe kaum zu mehr Kreditvergabe, sondern eher zu Aktienrückkäufen.
Europäische Banken seien liquide, profitabel und gut kapitalisiert.
Um im Wettbewerb mit US-Instituten zu bestehen, brauche Europa keine Deregulierung, sondern die Vollendung der Banken- und Kapitalmarktunion.
Die Zinsweitergabe bleibe durch unterschiedliche Hypothekenstrukturen und 27 nationale Quellensteuersysteme fragmentiert.
Klare Kante gegen faule Kompromisse
Vujčić erteilt Rufen nach regulatorischer Nachgiebigkeit eine überfällige und deutliche Absage.
Seine Positionierung zu Mindestreserven bereitet die Geldpolitik auf eine straffere Bilanzsteuerung vor.
Solange die politische Einigung auf eine echte Kapitalmarktunion ausbleibt, bleibt Europas Bankenlandschaft jedoch strukturell im Nachteil.
Quelle: Boris Vujčić: Interview with Reuters
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