Vujčić lehnt Aufweichung der Banken-Kapitalregeln ab
EZB-Vizepräsident Boris Vujčić hat Forderungen nach geringeren Eigenkapitalvorgaben für Banken zurückgewiesen. Auf der ESRB-Konferenz am 2. Oktober 2026 betonte er, Wettbewerbsfähigkeit erfordere vor allem grenzüberschreitende Finanzintegration und Regelvereinfachung statt geringerer Puffer.
Starke Bilanzen statt lockerer Zügel
Die europäische Bankenlandschaft steht laut EZB-Vizepräsident Boris Vujčić auf einem soliden Fundament.
Die Kernkapitalquote (Tier 1) im Euroraum hat sich seit 2009 von 8 Prozent auf über 16 Prozent verdoppelt, während das durchschnittliche Kurs-Buchwert-Verhältnis auf rund 1,5 kletterte.
Vujčić wies Argumente der Finanzindustrie zurück, dass strenge Eigenkapitalanforderungen das Kreditangebot lähmen.
Daten der Kreditumfrage belegen, dass verhaltene Kreditvergaben primär auf gedämpfte Nachfrage und gesamtwirtschaftliche Unsicherheit zurückgehen.
Eine Absenkung der regulatorischen Anforderungen hält er für wirkungslos: Höhere Puffer reduzierten die Eigenkapitalkosten der Institute und sicherten die Finanzierungsfähigkeit in Krisen.
Fragmentierte Märkte und vereinfachte Puffer
Wachstumspotenziale liegen für Vujčić im europäischen Binnenmarkt.
Bislang entfallen nur 16 Prozent der Unternehmenskredite auf grenzüberschreitende Finanzierungen im Euroraum – weniger als die 20 Prozent an Kreditnehmer außerhalb der Währungsunion.
Um Hürden abzubauen, schlägt die EZB eine Verschlankung vor: Die Kapitalpuffer sollen auf zwei Kategorien zusammengefasst, die Verschuldungsquote auf eine 3-Prozent-Mindestanforderung mit einem Puffer reduziert und 40 Aufsichtsleitfäden gestrichen werden.
Falsche Diagnose, richtige Baustelle
Vujčić erteilt den bequemen Deregulierungsrufen der Finanzlobby eine fundierte Absage.
Ohne eine vollendete Bankenunion und einheitliche Insolvenzregeln bleiben europäische Institute international im Nachteil.
Bürokratieabbau ist sinnvoll, ersetzt aber keinen integrierten Kapitalmarkt.