Arbeitsmarktreformen erhöhen private Investitionen um 5 Prozent
ECB Paper

Ar­beits­mark­t­re­for­men erhöhen private Investitionen um 5 Prozent

Große Arbeitsmarktreformen steigern die realen privaten Investitionen binnen sechs Jahren kumulativ um 5 Prozent, Produktmarktreformen um 3 Prozent. Eine neue EZB-Studie zeigt die Effekte von Reformen in 26 Industrieländern von 1975 bis 2020.

Effekte mit drei Jahren Anlaufzeit

Die EZB-Ökonomen Christos Mavrogiannis, Nico Zorell und Christoph Zwick analysieren anhand von Daten aus 26 OECD-Ländern für den Zeitraum 1975 bis 2020 die Wirkung von 354 großen Reformen.

Methodisch kombiniert die Studie lokale Projektionen mit einer erweiterten inversen Wahrscheinlichkeitsgewichtung (LP-AIPW), um Selektionseffekte zu korrigieren.

Die Ergebnisse belegen: Arbeitsmarktreformen erhöhen das Niveau der realen privaten Investitionen kumulativ um 5 Prozent nach sechs Jahren.

Produktmarktreformen erreichen ein Plus von 3 Prozent, was an deren engerer Branchenfokussierung liegen dürfte.

Bei beiden Reformtypen entfaltet sich die Wirkung schrittweise und wird nach drei Jahren statistisch signifikant.

Rechtsstaat und Finanzmärkte als Beschleuniger

Die Wirksamkeit von Strukturreformen hängt entscheidend von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.

In Ländern mit starker Rechtsstaatlichkeit steigen die privaten Investitionen nach Arbeitsmarktreformen um bis zu 7 Prozent, während die Effekte in schwächeren Rechtsstaaten verpuffen.

Ebenso verstärken ein tiefer Finanzsektor und der Zugang zu externem Kapital die Investitionsimpulse erheblich: Bei hoher Aktienmarktkapitalisierung oder hoher privater Kreditvergabe verdoppeln sich die positiven Wirkungen von Arbeitsmarktreformen auf bis zu 10 Prozent.

Kein Allheilmittel ohne starkes Fundament

Die Arbeit liefert robuste Belege für den Nutzen von Marktliberalisierungen.

Methodisch bleibt sie jedoch wegen der Aggregation sehr unterschiedlicher Reformtypen angreifbar.

Für die Praxis zeigt sich klar: Ohne verlässliche Institutionen verpuffen selbst gut gemeinte Reformimpulse.

Quelle: Can structural reforms unleash private investment?

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