Synthetische Verbriefungen treiben Dividenden statt Kredite
Synthetische Verbriefungen kurbeln die europäische Kreditvergabe kaum an, erhöhen jedoch die Dividendenausschüttungen von Banken. Eine EZB-Analyse zeigt: Ein Anstieg der Emissionen um ein Prozent steigert Unternehmenskredite nur um 0,02 Prozent, treibt Ausschüttungen aber um 0,07 Prozent.
Mehr Ausschüttung als Kreditimpuls
Das Volumen synthetischer Verbriefungen hat sich in Europa seit 2021 fast verdreifacht und lag Ende 2025 bei KMU-Krediten bei rund 480 Mrd. Euro gegenüber 380 Mrd. Euro bei traditionellen Verbriefungen.
Das freigesetzte regulatorische Eigenkapital fließt jedoch kaum in die Realwirtschaft: Ein Anstieg der Emissionen um ein Prozent erhöht das Unternehmens-Kreditwachstum lediglich um 0,02 Prozent.
Gleichzeitig klettern die Dividendenausschüttungen um 0,07 Prozent – mehr als das Dreifache des Krediteffekts.
Viele Institute nutzen die Kapitalentlastung primär zur Bilanzoptimierung und zur Bedienung von Anteilseignern, anstatt zusätzliche Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben.
Risikotransfer mit Schattenseiten
Die Lücke zur Schließung des jährlichen Investitionsbedarfs von 750 bis 800 Mrd. Euro aus dem Draghi-Bericht lässt sich so nicht schließen.
Zudem birgt das Wachstum synthetischer Verbriefungen Risiken: Werden Risiken per Kreditderivat übertragen, bleiben Kredite in der Bankbilanz.
Fällt der Sicherungsgeber aus oder verlängert unbesicherte Kontrakte nicht, drohen Roll-over- und Gegenparteirisiken.
Zudem schwächen höhere Dividendenausschüttungen die Puffer gegen Schocks.
Fehlanreiz statt Wachstumsmotor
Die EZB entzaubert den Verbriefungsboom als vermeintliches Allheilmittel für Europas Investitionslücke.
Wenn freigesetztes Kapital in Dividenden versickert, läuft die geplante regulatorische Lockerung ins Leere.
Europas Wirtschaft braucht tiefere Eigenkapitalmärkte, keine künstlich gehebelten Bankbilanzen.