Lagarde mahnt 600 Milliarden Euro für KI-Infrastruktur an
ECB Rede

Lagarde mahnt 600 Milliarden Euro für KI-Infrastruktur an

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat in Wien gewarnt, dass Europa beim KI-Boom erneut vor allem als Kapitalgeber der USA agiert. Um digitale Souveränität und Produktivität zu sichern, müsse europäisches Erspartes gezielt in heimische Infrastruktur fließen.

440 Milliarden Euro für US-Techkonzerne

Haushalte im Euroraum halten rund 440 Milliarden Euro an US-Technologieunternehmen, während Europa bei der eigenen Infrastruktur zurückliegt.

Die USA stellen derzeit 75 Prozent der weltweiten KI-Rechenkapazität, Europa lediglich 5 Prozent.

Gleichzeitig wenden Unternehmen im Euroraum 2026 etwa 10 Prozent ihrer Gesamtinvestitionen für KI auf.

„KI kommt genau im richtigen Moment“, sagte Lagarde mit Blick auf die schrumpfende Erwerbsbevölkerung.

Eine zügige Nutzung könne das Produktivitätsniveau über zehn Jahre um bis zu 4 Prozent anheben.

Ohne eigene Rechenzentren und offene Modelle drohten jedoch Abhängigkeiten bei geschäftskritischen Daten.

Das 600-Milliarden-Loch der Infrastruktur

Lagarde zog Parallelen zur Gründerzeit vor dem Börsenkrach von 1873, als europäisches Kapital die US-Eisenbahnen finanzierte, die wirtschaftlichen Erträge jedoch in Übersee verblieben.

Um die prognostizierte Kapazitätslücke von 19 Gigawatt bis 2036 zu schließen, sind bis zu 600 Milliarden Euro an Investitionen erforderlich.

Zwar sparen europäische Haushalte jährlich rund 1,4 Billionen Euro, doch mangelt es an funktionierenden Kapitalmärkten, um diese Mittel in risikotragendes Eigenkapital umzuleiten.

Rhetorik ersetzt kein Risikokapital

Lagardes Diagnose trifft den wunden Punkt europäischer Politik mit hoher Präzision.

Ohne funktionierende Kapitalmärkte verkommt die geforderte Souveränität jedoch zur bloßen Rhetorik.

Wer den technologischen Rückstand aufholen will, muss privates Risikokapital mobilisieren statt auf Bankkredite zu setzen.

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