Lagarde warnt vor Energieschock und mahnt Frankreich zu Reformen
ECB Rede

Lagarde warnt vor Energieschock und mahnt Frankreich zu Reformen

Die EZB hält die Preisstabilität trotz geopolitischer Risiken im Fokus. Präsidentin Christine Lagarde warnte im Interview mit La Croix vor den Folgen des Nahost-Konflikts für die Energiepreise und mahnte Frankreich angesichts einer Schuldenquote von fast 120 Prozent zu Reformen.

Drei erschütterte Säulen

Die EZB sieht im Nahost-Konflikt und der Energiekrise die akuteste Bedrohung für Preise und Wachstum in Europa.

Präsidentin Christine Lagarde verwies auf die Zinserhöhungen im Juni und September, mit denen die Notenbank Zweitrundeneffekten von Angebotsschocks vorbeugt.

Für den Euroraum erwartet die EZB in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent, während Frankreich mit 0,5 Prozent zurückbleibt.

Neben dem schwachen Wachstum belasten die französische Staatsverschuldung von knapp 120 Prozent des BIP und Budgetdefizite das Umfeld.

Lagarde betonte, Europas Wirtschaftsmodell sei durch den Verlust billiger Energie aus Russland, chinesische Konkurrenz und den fragilen US-Sicherheitschirm erschüttert.

Gänserupfen und Reformdruck

Lagarde erteilte Forderungen nach einem Schuldenerlass eine Absage und verwies auf Beispiele wie Irland oder Portugal, die durch Reformen Vertrauen zurückgewannen.

Höhere Steuern verglich sie mit dem Rupfen einer Gans: „Wenn Sie bestimmte Schwellen überschreiten, drohen sinkende Erträge.“

Zur eigenen Amtszeit schloss die 70-Jährige einen Abschied wenige Monate vor dem regulären Ende im Oktober 2027 nicht aus, bekräftigte aber ihren Verbleib bis mindestens in das Jahr 2027.

Klartext mit begrenzter Wirkung

Lagardes deutliche Diagnose zu Frankreichs Finanzlage setzt ein notwendiges Signal an die Politik.

Die Notenbankchefin überschreitet mit der Benennung struktureller Defizite bewusst die Grenze klassischer Zurückhaltung.

Ohne echte Reformbereitschaft in Paris wird dieser geldpolitische Weckruf allerdings verhallen.

Quelle: Christine Lagarde: Interview with La Croix

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