Lagarde warnt vor länger anhaltender hoher Inflation
ECB Rede

Lagarde warnt vor länger anhaltender hoher Inflation

Christine Lagarde sieht die Inflation im Euroraum auch in den kommenden Quartalen auf hohem Niveau. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) verweist auf 4,0 Prozent im Oktober 2026, sieht bislang aber keine zusätzlichen Zweitrundeneffekte.

Energie treibt, Kerndaten bleiben stabil

Die Energieinflation stieg im Oktober auf 20,8 Prozent nach 18,9 Prozent im September.

Lagarde nennt den Nahostkonflikt und geringere globale Raffineriekapazitäten als Ursachen; auch die Nahrungsmittelinflation nahm zu.

Die Kerninflation ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak blieb bei 2,5 Prozent.

Dienstleistungen verteuerten sich um 3,3 Prozent, weiter innerhalb der Spanne der vergangenen vier Monate.

Detaillierte Daten sollen direkte Energieeffekte von breiteren indirekten Effekten trennen.

Lohnindikatoren zeigen laut Lagarde bislang keine zusätzlichen Zweitrundeneffekte.

Höhere Energieterminkurven und langfristige Zinsen fließen in die nächsten Projektionen ein.

Für Dezember legt sie sich nicht fest: Die EZB entscheidet anhand der Daten von Sitzung zu Sitzung.

Abschied mit politischem Redebedarf

Lagarde bestätigt ihren vorzeitigen Abschied nach sieben Jahren, knapp neun Monate vor dem regulären Ende.

Sie will Rechtsstaatlichkeit, internationale Kooperation und Handel öffentlich verteidigen und sich in Frankreichs Präsidentschaftsdebatte äußern.

Eine Kandidatur verneint sie; der Vorsitz des Weltwirtschaftsforums bleibt eine Option.

Als Versäumnis nennt sie die unterschätzte Nachfrage beim Wiederöffnen der Wirtschaft 2021–22, als Leistung den Zusammenhalt des EZB-Rats.

Unter dessen 27 Mitgliedern sind nur zwei Frauen: sie und Isabel Schnabel, die Anfang Januar ausscheidet.

Werkzeuge bleiben an Bedingungen gebunden

Lagarde schließt kein Instrument aus, bindet den Einsatz aber an Kriterien und einen Beschluss des EZB-Rats.

Hoch verschuldete Staaten mahnt sie zur Einhaltung der Fiskalregeln.

Zugleich befürwortet sie die Zusammenarbeit mit Japan beim digitalen Euro und die gemeinsame Abwehr KI-gestützter Cyberangriffe.

Quelle: Christine Lagarde: Interview with Yomiuri Shimbun

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