Lagarde fordert engere europäische Integration
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat bei einer Rede in Berlin zu mehr europäischer Geschlossenheit aufgerufen. Angesichts veränderter geopolitischer Machtverhältnisse müssten die EU-Staaten ihre Kräfte bündeln, statt auf nationale Alleingänge zu setzen.
Drei Pfade und zwei Illusionen
Europas bisheriges Wirtschaftsmodell basierte auf Energie aus Russland, Nachfrage aus China und Sicherheit aus den USA.
In einer von Großmächten dominierten Welt skizzierte EZB-Präsidentin Christine Lagarde beim Bundesbank-Diner in Berlin drei Szenarien für die Zukunft der Europäischen Union.
Den verwalteten Niedergang als bloßes „Museum“ verwarf sie ebenso wie nationale Alleingänge der 27 Mitgliedstaaten.
Beide Wege seien trügerisch und gefährdeten das europäische Sozialmodell.
Stattdessen forderte Lagarde die konsequente Stärkung der gemeinsamen Souveränität: „Wenn wir in Bereichen zusammen handeln, in denen es sinnvoll ist, können wir unsere eigene Größe beherrschen.“
Kapitalmarktunion und digitaler Euro
Um geopolitische Verwundbarkeiten abzubauen, setzt die Zentralbankchefin auf konkrete Finanzmarktprojekte.
Eine Spar- und Investitionsunion soll europäische Ersparnisse für strategische Investitionen mobilisieren.
Flankierend dazu soll der digitale Euro die währungspolitische Unabhängigkeit absichern.
Lagarde zog Parallelen zu Konrad Adenauers historischer Westbindung von 1949 und betonte, dass zersplitterte Kräfte im globalen Wettbewerb bedeutungslos blieben.
Viel Pathos, wenig Hebel
Lagardes Berliner Rede ist mehr geopolitisches Manifest als geldpolitische Einordnung.
Die Notenbankchefin benennt die Verwundbarkeiten Europas treffend, besitzt für Kapitalmarktunion und Rüstung aber keine eigenen Hebel.
Ohne politischen Willen der 27 Mitgliedstaaten verhallt ihr Weckruf wirkungslos.
Quelle: Christine Lagarde: The choice facing Europeans
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