Kurzfristige Schulden verstärken die Wirkung von Staatsausgaben
ECB Studie

Kurzfristige Schulden verstärken die Wirkung von Staatsausgaben

Kurzfristig finanzierte Staatsausgaben erhöhen die Wirtschaftsleistung stärker als langfristig finanzierte. Eine Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) mit US-Daten von 1954 bis 2015 führt den Unterschied vor allem auf den privaten Konsum zurück.

Mehr Konsum bei kurzen Laufzeiten

Morteza Ghomi, Jochen Mankart, Rigas Oikonomou und Romanos Priftis untersuchen im EZB-Forschungspapier Nr. 3306 US-Quartalsdaten vom dritten Quartal 1954 bis zum vierten Quartal 2015.

Sie verwenden instrumentierte strukturelle Vektorautoregressionen und lokale Projektionen.

Als kurzfristig gelten empirisch Schulden mit weniger als einem Jahr Laufzeit.

Im Basisschätzmodell beträgt der BIP-Multiplikator kurzfristiger Finanzierung nach einem, vier und zwölf Quartalen 1,48, 1,85 und 1,91; langfristig sind es 1,08, 0,42 und 0,55. Der Konsummultiplikator beträgt kurzfristig zunächst 1,16, langfristig −0,03. Kontrollen für Löhne, Zinsen, Preise und Schuldenstand sowie alternative Stichproben bestätigen den zentralen Befund.

Liquidität lockert die Ausgabenbremse

Im neukeynesianischen Modell bieten kurzfristige Anleihen Haushalten Liquidität für unvorhergesehene Ausgaben.

Ein größeres Angebot lockert Ausgabenbeschränkungen und senkt das Vorsorgesparen.

Bei geglätteter Zinssteuerung beträgt der anfängliche BIP-Multiplikator kurzfristiger Finanzierung 2,0, langfristiger 0,5. Der kurzfristige bleibt etwa acht Quartale über eins.

Unter einer einfachen Taylor-Regel liegen beide unter eins; der Abstand bleibt bestehen.

Auch verzerrende Steuern und teilweise liquide langfristige Anleihen beseitigen ihn nicht.

Laufzeit ist kein Nebenaspekt

Die Autoren verknüpfen Schuldenmanagement mit der Wirkung fiskalischer Impulse, nicht allein mit Finanzierungskosten und Risiken.

Eine optimale Laufzeitenstrategie berechnet die Studie jedoch nicht; reichere Haushaltsmodelle bleiben Forschungsbedarf.

Die Ergebnisse vertreten die Autoren, nicht notwendigerweise die EZB.

Quelle: Debt maturity and government spending multipliers

IN:

Fehler melden