Rüstungsausgaben bringen 0,4 Prozentpunkte BIP-Plus im Euroraum
Die zusätzlichen Verteidigungsausgaben der Euro-Staaten erhöhen das reale BIP-Wachstum von 2025 bis 2028 um kumuliert 0,4 Prozentpunkte. Der Effekt auf die Inflation bleibt mit unter 0,1 Prozentpunkten gering, wie ein Bericht der EZB analysiert.
Deutschland trägt Löwenanteil der Investitionen
Die seit Anfang 2025 beschlossenen Mehrausgaben für Verteidigung summieren sich im Euroraum bis 2028 auf 1,5 Prozent des BIP, einschließlich der Militärhilfen für die Ukraine von 0,24 Prozentpunkten.
Allein auf Deutschland entfallen über 70 Prozent dieser zusätzlichen nationalen Mittel.
Rund 71 Prozent der neuen Gelder fließen direkt in Investitionen und Rüstungsgüter, während Vorleistungen 21 Prozent und Personalausgaben lediglich 6 Prozent ausmachen.
Dieser hohe Kapitalanteil dämpft den Preisauftrieb: Weil kaum zusätzlicher Lohndruck entsteht, erhöht sich die HICP-Inflation im gesamten Zeitraum um weniger als 0,1 Prozentpunkte.
Das reale BIP-Wachstum gewinnt dagegen kumuliert 0,4 Prozentpunkte.
Hohe Importquoten bremsen Spillover-Effekte
Erreicht der Euroraum das NATO-Ziel von 5 Prozent des BIP bis 2035, könnte das Wachstum um bis zu 1,0 Prozentpunkte zulegen.
Die langfristige Produktivitätswirkung hängt jedoch an Strukturfaktoren: Rund die Hälfte aller Zulieferer großer Rüstungsfirmen sitzt außerhalb der EU, was die heimischen Effekte schmälert.
Zudem belaufen sich die staatlichen Verteidigungs-F&E-Ausgaben in der EU auf lediglich 0,03 Prozent des BIP gegenüber 0,30 Prozent in den USA.
Wachstumsimpuls mit fiskalischem Verfallsdatum
Die Ausnahmeklauseln des Stabilitätspakts schaffen bis 2028 befristeten Spielraum für Rüstungsausgaben.
Wegen hoher US-Importquoten und minimaler europäischer F&E-Budgets bleiben dauerhafte Produktivitätsgewinne jedoch gering.
Nach 2028 zwingen die Schuldenregeln zu harten Einschnitten bei anderen Staatsausgaben.