Internationale Eigner dämpfen Investitionsrückgang um 20 Prozent
ECB Studie

Internationale Eigner dämpfen In­ves­ti­ti­ons­rü­ck­gang um 20 Prozent

Unternehmen mit international gestreuter Eigentümerstruktur kürzen Investitionen in schweren Krisen um 20 Prozent weniger. Eine neue EZB-Studie analysiert dafür 15.558 Beobachtungen börsennotierter Unternehmen aus 19 Ländern des Euroraums von 2015 bis 2023.

Der Eigenkapitalkanal im Pandemieschock

In einem Arbeitspapier der Europäischen Zentralbank zeigen Elena Banu, Lea Best und Francesca Vinci die realwirtschaftlichen Folgen von Home Bias im Euroraum.

Bei Unternehmen, die während der Pandemie von einem durchschnittlichen Exportrückgang von 16 Prozent getroffen wurden, senkten Firmen mit hoher inländischer Aktionärskonzentration ihre Investitionen um 20 Prozent stärker als Firmen mit internationaler Eigentümerbasis.

Dieser Effekt speist sich vor allem aus dem Eigenkapital: Bei Firmen mit hohem Home Bias sank der Buchwert des Eigenkapitals relativ um 13 Prozent, während die Marktbewertung deutlich einbrach.

Weder Umsatzeinbrüche noch Bankkredite unterschieden sich signifikant zwischen den Gruppen.

57 Prozent im Heimatmarkt verankert

Die Datenbasis verknüpft die Wertpapierbesitzstatistik der EZB mit Bilanzen von 15.558 Beobachtungen aus 19 Mitgliedstaaten zwischen 2015 und 2023.

Durchschnittlich halten inländische Investoren 57 Prozent der Aktien eines Unternehmens.

Lediglich 9 Prozent entfallen auf Anleger aus anderen Staaten des Euroraums, während der Rest der Welt gut 34 Prozent hält.

Diese Quoten blieben über den gesamten Untersuchungszeitraum nahezu unverändert.

Die grenzüberschreitende Risikoteilung innerhalb der Währungsunion bleibt damit weitgehend ungenutzt.

Kapitalmarktunion als Krisenpuffer

Die Studie liefert ein starkes Argument für die europäische Kapitalmarktunion.

Dass die Risikoteilung im Euroraum bei mageren 9 Prozent verharrt, offenbart ein gravierendes Strukturdefizit.

Ohne echte grenzüberschreitende Eigenkapitalmärkte verschenkt die europäische Wirtschaft essenzielle Krisenresilienz.

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