Importierte Geldpolitik wirkt in Montenegro und Kosovo mit Verzug
ECB Studie

Importierte Geldpolitik wirkt in Montenegro und Kosovo mit Verzug

Eine Zinserhöhung im Euroraum bremst Wirtschaft und Inflation in Montenegro und Kosovo erst mit einer Verzögerung von zwei bis vier Jahren. Eine neue EZB-Studie zeigt, dass geldpolitische Impulse aus Frankfurt maximal sieben Prozent der dortigen Konjunkturschwankungen erklären.

Verzögerte Bremswirkung bei Zinsanhebungen

Ökonom Georgi Krustev analysiert anhand eines strukturellen VAR-Modells für die Jahre 2006 bis 2024 die Übertragung der EZB-Geldpolitik auf Montenegro und das Kosovo.

Beide Länder nutzen den Euro einseitig ohne Mitgliedschaft im Euroraum.

Ein restriktiver Zinsschock im Euroraum von rund 30 Basispunkten führt in beiden Volkswirtschaften zu spürbaren Reaktionen: Die Wirtschaftsleistung sinkt am Höhepunkt um etwa 0,5 Prozentpunkte, während die Inflation gemessen am BIP-Deflator um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte nachgibt.

Diese Effekte entfalten ihre maximale Wirkung jedoch erst nach zwei bis vier Jahren.

Zudem erklären die Zinsschritte der EZB nach fünf Jahren höchstens sieben Prozent der gesamten Schwankungen von Wachstum und Preisen.

Importierte Währung ohne Mitbestimmung

Montenegro und das Kosovo führten nach der D-Mark im Jahr 2002 den Euro unilateral ein, besitzen aber keine Stimme im EZB-Rat.

Ihre Notenbanken können keine autonome Geldpolitik betreiben und fokussieren sich auf Mindestreserven sowie Finanzstabilität.

Trotz hoher Offenheit mit Handelsquoten über 110 Prozent des BIP und Bankensektoren, die von Töchtern aus Österreich, Deutschland und Slowenien dominiert werden, bleibt die finanzielle Integration begrenzt.

Der EZB-Straffungszyklus der Jahre 2022 und 2023 bremste die dortige Aktivität erst im Verlauf des Jahres 2024 spürbar.

Teurer Schutz vor Abwertung

Die einseitige Euro-Nutzung schützt vor Abwertungen, beraubt beide Staaten jedoch flexibler Zinsreaktionen.

Weil EZB-Impulse nur verzögert und schwach wirken, muss die nationale Fiskalpolitik Konjunkturdellen alleine abfedern.

Der geldpolitische Kontrollverlust erzwingt dauerhafte Haushaltsdisziplin.

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