Hedgefonds reagieren im Repo-Markt kaum auf höhere Leihkosten
ECB Studie

Hedgefonds reagieren im Repo-Markt kaum auf höhere Leihkosten

Hedgefonds handeln am Anleihemarkt preissensibel, bei der Wertpapierleihe dagegen kaum: Laut einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) senken 10 Prozent höhere Leihkosten ihre Nachfrage nur um rund 1 Prozent. Grundlage sind Bund-Repos von März 2021 bis Juni 2024.

Der Kassamarkt bestimmt die Leihe

Andrea Poinelli, Loriana Pelizzon, Davide Tomio, Benoit Nguyen und Tobias Linzert verbinden ein Marktmodell mit regulatorischen Transaktionsdaten zu deutschen Staatsanleihen.

Sie bereinigen Mehrfachmeldungen und rekonstruieren über zentrale Gegenparteien hinweg die tatsächlichen Wertpapiergeber und -nehmer.

Der Mechanismus: Übersteigt die Nachfrage nach physischen Anleihen das Angebot, verkaufen Hedgefonds diese leer, leihen sie im Repo-Markt und sichern sich mit Terminkontrakten ab.

Ihre Leihnachfrage folgt damit dem Ungleichgewicht am Kassamarkt.

Die geschätzte Nachfrageelastizität der Hedgefonds beträgt 0,11, die Gesamtelastizität 1,2. Davon entfallen 87 Prozent auf die Angebotsseite und 13 Prozent auf die Nachfrage.

Öffentliche Wertpapierleihe begrenzt den Zinsabstand

Der öffentliche Sektor stellt rund 60 Prozent der Nettowertpapierleihe; ausländische Hedgefonds nehmen direkt und über Händler 50 bis 80 Prozent auf.

Die Elastizitäten der Deutschen Finanzagentur und des Eurosystems betragen 0,64 und 1,28. Im dritten Quartal 2022 senkten ihre Leihangebote den Abstand zwischen Einlagenzins und Repo-Zins laut Zerlegung um etwa 5 beziehungsweise 10 Basispunkte.

Das ist kein formales Gegenfaktum.

Die Normalisierung 2023 erklären die Autoren vor allem mit geringeren Positionen, nicht mit veränderter Preissensibilität.

Repo-Zinsen brauchen den Kassamarkt

Die Autoren sehen im Abstand zum Einlagenzins einen Indikator für Nachfragedruck am Anleihemarkt.

Gestaltung und Preise öffentlicher Leihangebote beeinflussen damit die geldpolitische Übertragung.

Die Ergebnisse gelten für Bund-Repos und geben die Sicht der Autoren wieder, nicht notwendigerweise die der EZB.

Fehler melden