Straffungszyklen verstärken die Wirkung weiterer Zinsschritte
ECB Studie

Straffungszyklen verstärken die Wirkung weiterer Zinsschritte

Eine Studie von Valerio Scalone und Silvana Tenreyro zeigt, dass Zinserhöhungen über steigende Schuldendienstquoten ihre eigene Durchschlagskraft erhöhen. Bei hoher Verschuldung reagieren Produktion und Inflation im Euroraum mehr als viermal so stark auf geldpolitische Impulse.

Der Verstärker im Schuldendienst

Geldpolitische Impulse entfalten je nach Verschuldungslage asymmetrische Effekte.

Valerio Scalone und Silvana Tenreyro modellieren die Rolle der Schuldendienstquote (DSR) im Euroraum für den Zeitraum von 2001 bis 2019.

Bei hoher finanzieller Exposition sinken Produktion und Inflation nach einer Zinserhöhung in der Spitze um jeweils 1,3 Prozent.

Dies übertrifft die Reaktionsstärke bei geringer Verschuldung um mehr als das Vierfache beim BIP und das Doppelte bei den Verbraucherpreisen.

Der Übertragungskanal: Eine Zinsanhebung treibt über variable Kreditzinsen kurzfristig die Schuldendienstbelastung privater Akteure.

Dadurch verstärkt jeder Zinsschritt die Hebelwirkung nachfolgender Erhöhungen, während Zinssenkungszyklen ihre Wirksamkeit schrittweise einbüßen.

Konjunktur bestimmt die Hebelkraft

Die Wirksamkeit von Zinsschritten hängt eng mit dem Konjunkturumfeld zusammen.

Erfolgt eine Straffung während einer Rezession, steigt die DSR durch fallende Einkommen kräftig um 64 Basispunkte an, was die reale Kontraktion nochmals verstärkt.

In einer Expansion dämpft das Einkommenswachstum den Schuldendruck ab, sodass die geldpolitische Durchschlagskraft stabil bleibt.

Zudem erhöht eine vorangegangene Straffung die Anfälligkeit für Nachfrageschocks: Immobilienpreisschocks senken das BIP nach einem Straffungszyklus viermal stärker als nach einer Lockerung.

Das Risiko des letzten Zinsschritts

Die Studie entlarvt die Annahme linearer Zinswirkungen als gefährliche Illusion für Notenbanken.

Wer spät im Zyklus oder in einer Rezession nachlegt, riskiert schwere Schockwellen für Wirtschaft und Banken.

Zentralbanker müssen die dynamische Hebelkraft ihrer eigenen Zinspfade künftig zwingend einpreisen.

Quelle: Endogenous monetary policy effectiveness

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