Ölpreise steigen trotz 14 Prozent Versorgungsausfall milder als 2022
Der Konflikt im Nahen Osten hat die globale Ölversorgung stärker gestört als der Ukraine-Krieg. Dennoch blieben die Preisanstiege im Sommer 2026 deutlich moderater.
Hormus-Blockade kappt globalen Ölfluss
Die militärische Eskalation und die Schließung der Straße von Hormus haben im Frühjahr 2026 den Transit von rund 20 Millionen Barrel pro Tag unterbrochen.
Trotz teilweiser Umleitung über Pipelines verbleibt ein realer Netto-Ausfall von rund 14 Millionen Barrel beziehungsweise 14 Prozent der weltweiten Ölproduktion.
Zum Vergleich: Der Ukraine-Krieg drosselte das globale Angebot 2022 lediglich um rund 1 Million Barrel oder ein Prozent.
Obwohl der aktuelle Schock damit ein Vielfaches größer ausfällt, steht der Ölpreis Anfang Juni bei rund 94 US-Dollar je Barrel und damit nur 29 Prozent über dem Vorkrisenniveau.
Puffer und schwächere Nachfrage dämpfen Schock
Verantwortlich für den moderaten Preisanstieg sind bessere Ausgangsbedingungen und veränderte Nachfragemuster.
Der Ölmarkt startete 2026 mit einem Angebotsüberschuss von 2,5 Millionen Barrel pro Tag und deutlich höheren Beständen, gestützt durch US-Schieferöl und Chinas E-Mobilität.
Zudem dämpfte eine schwächere Nachfrage – insbesondere in Asien durch geringeren petrochemischen Verbrauch – den Preisdruck massiv.
Ergänzend reagierte die Internationale Energieagentur mit einer Rekordfreigabe von 400 Millionen Barrel strategischer Reserven, während der Ukraine-Krieg damals nur 182 Millionen Barrel freisetzte.
Angebotsüberschuss schützt vor Preisschock
Der Iran-Krieg demonstriert eindrücklich, dass die Größe eines Versorgungsausfalls den Preisanstieg nicht allein steuert.
Solide Marktstrukturen und gefüllte Speicher erweisen sich als hochwirksame Stoßdämpfer gegen geopolitische Schocks.
Bei einer lang anhaltenden Blockade drohen diese wichtigen Puffer jedoch rasch zu verschleißen.