Unsicherheit tilgt 75 Prozent der Cleantech-Investitionsanreize
Regulatorische Unsicherheit neutralisiert bis zu 75 Prozent der durch Umweltpolitik geschaffenen Investitionsanreize für saubere Technologien. Zu diesem Ergebnis kommen die Ökonominnen Laura Nowzohour und Joëlle Noailly in einer Analyse von US-Greenfield-Projekten zwischen 2007 und 2019.
Drei Viertel der Projektanreize verpuffen
Anhand von 41.080 Greenfield-Projekten und maschinell ausgewerteten Medienberichten belegen die Autorinnen, wie Instabilität grüne Förderpolitik entwertet.
Steigt die umweltpolitische Unsicherheit um eine Standardabweichung, tilgt dies rund 75 Prozent des positiven Politikeffekts auf die Projektanzahl und 50 Prozent der zusätzlichen Investitionsausgaben.
Ausländische Investoren reagieren dabei deutlich empfindlicher als heimische Unternehmen: Der Anteil ausländischer Cleantech-Deals bricht um 1,7 Prozentpunkte ein, während US-Firmen ein Minus von 1,1 Prozentpunkten verzeichnen.
Lokale Projektionen verdeutlichen zudem, dass dieser Bremseffekt mindestens acht Quartale lang anhält und den positiven Politikimpuls überdauert.
Warum Warten wertvoller wird als Handeln
Da Cleantech-Großprojekte hohe irreversible Vorlaufkosten erfordern, treibt Unberechenbarkeit den Optionswert des Abwartens in die Höhe.
Die getrennte Erfassung von Politikniveau und Unsicherheit belegt, dass die Hemmwirkung nicht erst bei negativen Beschlüssen einsetzt: „Unsicherheit allein reicht aus“, betonen die Autorinnen.
Auf Firmenebene dämpft die Unklarheit die Projektzahl im Technologiesektor um 40 Prozent, während zugesagte Investitionsvolumina eher von der Konjunktur abhängen.
Geld lockt, Verlässlichkeit bindet
Üppige Förderprogramme verpuffen wirkungslos, wenn Regierungen ihre Klimapolitik bei jedem Wahlzyklus zur Disposition stellen.
Reine Subventionen können das Fehlen institutioneller Verlässlichkeit nicht kompensieren.
Ohne glaubwürdige Rahmenbedingungen bleibt die erhoffte Mobilisierung privaten Kapitals eine teure Illusion.