US-Wagniskapitalfonds sechsmal größer als EU-Pendants
Mit 150 Milliarden Euro erreicht das EU-Wagniskapital nur ein Sechstel des US-Volumens von 930 Milliarden Euro. Eine Studie der EZB zeigt erhebliche Engpässe bei Spätphasenfinanzierungen, was innovative europäische Wachstumsunternehmen verstärkt ins Ausland drängt.
Finanzierungsengpass in der Wachstumsphase
US-Wagniskapitalfonds umfassen ein Gesamtvolumen von rund 930 Milliarden Euro – etwa das Sechsfache der 150 Milliarden Euro in der EU.
Die Lücke vergrößert sich besonders in späten Finanzierungsrunden, in denen schnell wachsende Unternehmen hohe Kapitalmengen benötigen.
Ein wesentlicher Grund liegt in der Anlegerstruktur: In den USA investieren Pensionskassen und Stiftungen in hohem Maße Risikokapital, während europäische Fonds stärker auf öffentliche Kapitalgeber angewiesen sind.
Infolgedessen verfehlen selbst reife EU-Firmen mit 15 Prozentpunkten höherem Wachstum und doppelter Beschäftigtenzahl im Vergleich zu US-Pendants häufig den Zugang zu benötigtem Wagniskapital.
Abfluss von Innovation und Talent
Die Abhängigkeit von ausländischen Investoren birgt strategische Risiken für Europa.
Wenn US-Fonds in späten Phasen einsteigen, verlagern erfolgreiche Start-ups häufig Hauptsitze, Patente und Talent in die USA.
Zudem fließt europäisches Wagniskapital traditionell stärker in Industrie- statt IT-Sektoren.
Die Empfehlungen des Kukies-Noyer-Berichts und Reformen der IORP-II-Richtlinie zielen darauf ab, Altersvorsorgekapital zu mobilisieren und den Kapitalmarkt durch eine Spar- und Investitionsunion zu vertiefen.
Kapitalmarktunion ohne Ausreden
Die Diagnose der EZB legt die Schwachstelle der europäischen Wirtschaft schonungslos offen.
Ohne tiefere Wagniskapitalmärkte verkommt Europa zum bloßen Ideenlieferanten für US-Tech-Giganten.
Wer Wettbewerbsfähigkeit fordert, muss nun endlich regulatorische Hürden für Pensionskassen abbauen und die Kapitalmarktunion vollenden.