Energiepreisschock trifft ärmere Haushalte doppelt so stark
Der Anstieg der Energiepreise infolge des Nahost-Konflikts bremst den Konsum im Euroraum spürbar. Eine neue Modellanalyse der EZB zeigt: Ärmere Haushalte leiden unter den Reallohnverlusten doppelt so stark wie wohlhabendere Gruppen.
Indirekte Effekte als Haupttreiber des Konsumrückgangs
Der Preisschock bei Energie wirkt im Euroraum wie ein Realeinkommenstransfer an das restliche Ausland, da ein Großteil der Energieträger importiert werden muss.
Modellberechnungen der Notenbank zeigen, dass der Gesamtkonsum vor allem über indirekte Kanäle eingebremst wird.
Rund 80 Prozent des Konsumrückgangs entstehen durch sinkende Reallöhne und rückläufige Beschäftigung, da Unternehmen die teurere Energie nicht leicht ersetzen können und daher die Produktion drosseln.
Nur 20 Prozent entfallen direkt auf den Kaufkraftverlust durch höhere Energiepreise.
Das unterste Einkommensquintil gibt etwa 9 Prozent seines verfügbaren Einkommens für Energie aus, verglichen mit dem Durchschnitt von 5,5 Prozent.
Fehlende Ersparnisse verstärken die Ungleichheit
Die Verteilungswirkung des Preisschocks fällt äußerst ungleich aus.
Liquiditätsbeschränkte Haushalte mit geringem Vermögen verzeichnen beim Konsum einen Einbruch von rund 1,4 Prozent, während wohlhabendere Haushalte ihren Konsum nur um 0,7 Prozent reduzieren.
Da ärmere Haushalte eine negative Sparquote von durchschnittlich minus 5,8 Prozent aufweisen, fehlen ihnen die nötigen Rücklagen zur Konsumglättung.
Sie hängen fast vollständig vom Arbeitseinkommen ab und spüren den Druck der Reallohnverluste daher unverzüglich.
Gezielte Hilfe statt Pauschaltransfers
Die Modellanalyse legt den Finger in die Wunde einer unzureichend zielgerichteten Fiskalpolitik.
Statt breit gestreuter Energiesubventionen benötigt der Euroraum passgenaue Entlastungen für Einkommensschwache.
Ohne solche Korrekturen droht die ungleiche Belastung die gesellschaftliche Akzeptanz geldpolitischer Anpassungen zu untergraben.