Gemeinsame Schulden brauchen Steuern für beiderseitige Gewinne
ECB Studie

Gemeinsame Schulden brauchen Steuern für beiderseitige Gewinne

Gemeinsame Schulden mit einer ausfallsicheren Steuer ermöglichen im Modell Wohlfahrtsgewinne für beide Mitgliedstaaten. Das zeigt Giovanni Bonfanti im Forschungspapier Nr. 3297 der Europäischen Zentralbank (EZB), veröffentlicht am 12. Oktober 2026.

1,2 Prozent für die Zustimmung

Bonfanti modelliert einen ausfallgefährdeten und einen sicheren Staat.

Eine gemeinsame Institution verteilt Anleiheerlöse gleichmäßig als einmaligen Zuschuss und erhebt dauerhaft eine Einkommensteuer, auch bei nationalem Zahlungsausfall.

Nationale Schulden bleiben ohne gemeinsame Garantie.

Der riskante Staat gewinnt durch vorgezogene Ressourcen, nicht durch günstigere nationale Kredite; der sichere durch Risikoteilung ohne erwartete Nettotransfers.

Bei einem Programm von 10 Prozent des jährlichen BIP verhindert eine Steuer von 0,09 Prozent gemeinsame Defizite.

Der sichere Staat gewinnt erst ab 1,2 Prozent, etwa dem Dreizehnfachen.

Bei Steuern bis 2 Prozent gewinnen beide in 78 von 441 Modellfällen, mit Programmgrößen bis rund 12,5 Prozent des BIP.

Gemeinsame Güter erweitern den Spielraum

Mit gemeinsamen öffentlichen Gütern gewinnen beide Staaten in 399 von 441 Modellfällen; die untersuchten Steuern reichen hier bis 5 Prozent.

Der maximale konsumäquivalente Gewinn des sicheren Staates steigt von 0,006 auf 0,34 Prozent.

Seine Zustimmung erfolgt dann bereits unterhalb der Steuer, die gemeinsame Defizite verhindert.

Eine Wahrscheinlichkeit vertauschter fiskalischer Rollen von 10 Prozent erweitert die akzeptierten Fälle auf 167. Größenabhängige Liquiditätsvorteile gemeinsamer Anleihen untersucht Bonfanti nur theoretisch.

Die Ergebnisse sind keine Position der EZB.

Zustimmung zur Einführung, nicht zur Erneuerung

Der beiderseitige Gewinn betrifft die Einführung samt einmaligem Zuschuss, nicht die spätere Erneuerung des Programms.

Nach Verbrauch des Zuschusses verlieren im Basismodell beide Staaten bei positiver gemeinsamer Verschuldung.

Die direkte Durchsetzbarkeit der gemeinsamen Steuer bleibt eine tragende Modellannahme.

Quelle: Fiscal integration as a Pareto improvement

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