Staatsausgaben für Dienste kurbeln Gütersektor an
Staatsausgaben für Dienstleistungen steigern über Einkommenseffekte heterogener Haushalte auch die Produktion von Industriegütern. Dies belegen Charles de Beauffort und Ansgar Rannenberg in einer Studie anhand von US-Daten von 1954 bis 2019.
Vier Kernmuster der Fiskalübertragung
Anhand eines bayesianischen strukturellen VAR-Modells für die USA von 1954 bis 2019 identifizieren Charles de Beauffort und Ansgar Rannenberg vier Kernmuster nach einem Staatsausgabenschock.
Obwohl öffentliche Ausgaben zu rund 75 Prozent auf nicht-handelbare Dienstleistungen entfallen, steigt die Produktion im Gütersektor unmittelbar um knapp ein Prozent.
Gleichzeitig nimmt der private Konsum in beiden Sektoren zu, wobei der Anstieg bei handelbaren Gütern besonders ausgeprägt ausfällt.
Zudem verbilligen sich Güter relativ zu Dienstleistungen, während sich die Nettoexporte verschlechtern.
Das entwickelte HANK-Modell führt dies auf Friktionen am Arbeitsmarkt und unvollkommene Risikoverteilung zurück: Zusätzliche Löhne fließen direkt in den Konsum.
Grenzen des repräsentativen Agenten
Klassische RANK-Modelle mit einem repräsentativen Agenten scheitern an diesen Fakten: Dort senken vorausschauende Haushalte ihren Konsum wegen erwarteter Zins- und Steuererhöhungen, sodass der Gütersektor schrumpft.
Auch TANK-Ansätze erfassen die anhaltende Konsumdynamik ohne Vorsichtssparmotive nur unzureichend.
Im offenen HANK-Rahmen begrenzen inländische Vertriebskosten von 43 Prozent bei Importen den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, während eine höhere Importquote von 25 Prozent die inländischen Gütergewinne dämpft.
Kein Konjunkturimpuls bleibt isoliert
Die Analyse entkräftet das Dogma, dass gezielte Dienstleistungsausgaben der Industrie keinen Schub verleihen können.
Für offene Volkswirtschaften zeigt sich jedoch eine klare Hürde: Ohne eigene Wettbewerbsfähigkeit verpufft der fiskalische Impuls rasch im Ausland.
Struktur- und Fiskalpolitik müssen daher zwingend Hand in Hand greifen.