Earnings Calls verbessern Prognose der Euro-Offenstellenquote
ECB Paper

Earnings Calls verbessern Prognose der Euro-Offenstellenquote

Eine neue EZB-Studie zeigt, dass Textdaten aus Unternehmensgesprächen die Vorhersage der Vakanzrate im Euroraum deutlich präzisieren. Ein aus Transkripten erstellter Monatsindikator liefert frühzeitige Signale über die Arbeitskräftenachfrage vor offiziellen Statistiken.

Frühindikatoren aus Firmenprotokollen

Die EZB-Ökonomen Agostino Consolo, Claudia Foroni, Claudio Lissona und Christofer Schroeder analysieren rund 38.000 Transkripte von Unternehmensgesprächen aus dem Euroraum.

Mithilfe eines gemischt-frequenten Bayesianischen VAR-Modells verknüpfen sie monatliche Textdaten mit vierteljährlichen Vakanzraten.

Die Ergebnisse zeigen, dass qualitative Weichindikatoren harte Arbeitsmarktdaten wie die Arbeitslosenquote bei Kurzfristprognosen übertreffen.

Der neu entwickelte Indikator basiert auf Schlüsselwörtern zu Arbeitskräftemangel und Lohndruck.

Er wird zweiwöchentlich aktualisiert, ist frei von Revisionen und verbessert Nowcasts um knapp drei Prozent gegenüber Standardmodellen, da er Wochen vor den offiziellen Eurostat-Statistiken vorliegt.

Industriesektor liefert die stärksten Signale

Die methodische Untergliederung offenbart erhebliche sektorale Unterschiede.

Signale aus dem verarbeitenden Gewerbe erweisen sich als deutlich aussagekräftiger für die Gesamtrate als Daten aus dem Dienstleistungssektor.

Modelle, die den Indikator für Produktionshemmnisse der Industrie mit den Textdaten verbinden, übertreffen sogar umfassendere Gesamtmodelle.

Zugleich zeigt die Studie, dass eine Aufteilung der Transkripte nach Branchen keinen zusätzlichen Informationsgewinn gegenüber dem aggregierten Textindikator bringt.

Vorsprung durch unstrukturierte Daten

Die Nutzung alternativer Textdaten schließt eine gravierende Informationslücke der offiziellen Statistik.

Der tatsächliche Genauigkeitsgewinn von drei Prozent bleibt zwar überschaubar, doch der enorme Zeitvorteil macht das Verfahren für Währungshüter attraktiv.

Methodisch überzeugt die Arbeit, wenngleich die starke Ausrichtung auf das verarbeitende Gewerbe in einer dienstleistungsorientierten Wirtschaft Schwächen birgt.