Elderson stuft Bagatellmängel herab und baut Bankenauflagen ab
Die EZB-Bankenaufsicht überarbeitet ihren Bestand von rund 12.000 offenen Auflagen für Großbanken. Vize-Aufsichtsratschef Frank Elderson kündigte am 6. Oktober in Wien an, geringfügige Mängel künftig nur noch als Hinweise ohne formelle Maßnahmen zu behandeln.
Vom Befund zur Beobachtung
Bis Ende 2025 summierte sich der Bestand an offenen Aufsichtsmaßnahmen bei den von der EZB beaufsichtigten Großbanken auf rund 12.000 – durchschnittlich etwa 100 Vorgaben pro Institut.
Mit einer Mitte Oktober startenden Überprüfung will die Aufsicht diesen Bestand gezielt straffen.
Die am wenigsten gravierenden Mängel der Kategorie F1 werden künftig lediglich als aufsichtliche Beobachtungen kommuniziert und lösen keine formellen Maßnahmen mehr aus.
Bei Mängeln der Stufe F2 entfallen künftig verpflichtende Prüfungen durch die interne Revision bei internen Modellen, und Verfahren können direkt geschlossen werden.
Bei geringfügigen Beanstandungen reicht künftig eine Bestätigung der Bank über ergriffene Schritte aus.
Schärfere Daumenschrauben für Härtefälle
Die Reform baut auf dem 2025 eingeführten Stufenmodell auf.
Dadurch wurden 2025 bereits 1.200 Maßnahmen mehr geschlossen als neu eröffnet; 2026 sank der Bestand um weitere 600. Während Bagatellen entbürokratisiert werden, verschärft die EZB die Gangart bei hartnäckigen Mängeln.
Das Instrumentarium reicht von zusätzlichen Eigenkapitalanforderungen über Geschäftsbeschränkungen bis hin zu Zwangsgeldern.
Unser Ansatz lautet: „einfacher, wo möglich, eingriffsintensiver, wo nötig“, so Elderson.
Längst überfällige Entrümpelung
Der Abbau von 12.000 offenen Auflagen beendet ein überbordendes bürokratisches Mikromanagement.
Indem Bagatellen entfallen, gewinnen Banken und Prüfer wieder Kapazitäten für systemische Risiken.
Entscheidend bleibt, ob die EZB bei gravierenden Mängeln nun auch konsequent Zwangsgelder verhängt.