Elderson will vereinfachte Aufsicht für rund 150 weitere Banken
Frank Elderson befürwortet eine höhere Bilanzschwelle für vereinfachte Bankenaufsicht von 5 auf 10 Mrd. Euro. Im am 20. Oktober 2026 veröffentlichten Interview mit Die Presse fordert der EZB-Direktor zugleich mehr Marktintegration statt Deregulierung.
Weniger Meldeaufwand, gleiche Mindeststandards
Rund 150 weitere Banken kämen laut Elderson bei einer Bilanzschwelle von 10 statt 5 Mrd. Euro unter das vereinfachte Regime.
Kleine, nicht komplexe Institute melden bereits höchstens 30 Prozent der Daten großer Banken.
Längere Prüfintervalle und vorhandene Daten für Stresstests böten weitere Entlastung, sofern die Risiken dies erlauben.
Kapital, Liquidität, Unternehmensführung und Risikomanagement müssten solide bleiben.
Die Kosten der Finanzkrise 2008 überstiegen die Regulierungskosten bei Weitem.
Elderson verteidigt die Basel-III-Mindeststandards: Lockerungen bei Säule 1 verlagerten Lasten womöglich nur zur Aufsicht.
Gegen Europas Fragmentierung fordert er die Vollendung von Binnenmarkt, Spar- und Investitionsunion sowie Bankenunion samt europäischer Einlagensicherung.
KI setzt Cyberabwehr unter Druck
Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangte im Juli eine Neubewertung der Cyberabwehr sowie der IT-Budgets und Personalstärken.
Bis Ende Oktober 2026 müssen Banken konkrete Pläne gegen KI-bezogene Cyberrisiken vorlegen.
Elderson nennt zudem Modellabhängigkeit, Verzerrungen, Datenqualität und Konzentrationsrisiken bei Cloudanbietern.
KI biete zugleich Chancen für Risikomanagement, Betrugserkennung und Effizienz.
Aloysius Widmann führte das Interview am 14. Oktober mit Elderson, dem stellvertretenden Vorsitzenden des EZB-Aufsichtsgremiums.
Ausgelagerte Kredite, verbleibende Risiken
Kreditvergabe außerhalb der Banken beseitigt laut Elderson nicht automatisch deren Risiken.
Finanzieren Banken sowohl private Kreditfonds als auch deren Schuldner, entstehen verdeckte Risikokonzentrationen.
Deshalb verlangt er eine genaue Prüfung dieser Verflechtungen und ein angemessenes Risikomanagement.
Quelle: Frank Elderson: Interview with Die Presse
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