Elderson baut Bankenaufsicht auf Risikotoleranz um
ECB Rede

Elderson baut Bankenaufsicht auf Risikotoleranz um

Die EZB-Bankenaufsicht verabschiedet sich von der Null-Risiko-Toleranz. Aufsichtsratsvize Frank Elderson stellte am 30. September auf der BCBS-Konferenz in Bali eine Reformstrategie vor, die auf gezielte Risikopriorisierung, schnellere Genehmigungen und schärfere Durchsetzung setzt.

Sieben Tage statt drei Monate

Aufsichtsbehörden könnten nicht mehr jedes Risiko jeder Bank jährlich im Detail prüfen, betonte Elderson.

Das neue „Risk Tolerance Framework“ erlaubt es Aufsehern, weniger relevante Bereiche bewusst zurückzustellen.

Zugleich beschleunigt die EZB ihre internen Abläufe: Die Bearbeitungszeit für einfache Verbriefungen sank von drei Monaten auf rund sieben Tage, Genehmigungen für Kapitalentscheidungen dauern weniger als sechs Tage statt mehrerer Monate.

Zudem wurden die Datenpunkte bei Stresstests um rund 55 Prozent reduziert und 40 von über 100 Leitfäden gestrichen.

Wenn Mängel festgestellt werden, fordert Elderson konsequente Durchsetzung – bis hin zu Zwangsgeldern und Geschäftsbeschränkungen.

Der blinde Fleck jenseits der Banken

Die Neuaufstellung reagiert auf veränderte Marktstrukturen und die Lehren aus den Turbulenzen von 2023.

Der Nichtbanken-Finanzsektor hat sich seit 2008 verdoppelt und umfasst über die Hälfte des Finanzvermögens im Euroraum, bleibt aber oft intransparent.

Neben geopolitischen Spannungen verändern KI-gestützte Cyberangriffe und drohende Quantenrisiken für Verschlüsselungen das Umfeld.

Elderson mahnte deshalb zur vollständigen Umsetzung von Basel III und engerer Kooperation mit externen Experten.

Mutige Entschlackung mit Restrisiko

Die EZB gesteht sich ein, dass lückenlose Aufsicht eine Illusion ist.

Kürzere Fristen und weniger Bürokratie entlasten Institute spürbar.

Der Erfolg hängt jedoch davon ab, ob die Aufseher bei akuten Fehlentwicklungen tatsächlich rechtzeitig durchgreifen.

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