Wie Rohöl und Raffineriemargen die Preise an der Zapfsäule treiben
Ein neuer Blogbeitrag der EZB analysiert die Weitergabe von Rohölpreisen an die Zapfsäulen im Euroraum. Der Nahost-Konflikt ließ den Dieselpreis im April 2026 auf 2,18 Euro pro Liter steigen, wobei neben Rohöl vor allem stark gewachsene Raffineriemargen den Preisschock verstärkten.
Vom Rohöl-Schock zum Zapfsäulen-Preis
Nach Ausbruch des Nahost-Konflikts kletterte der Preis für Brent-Rohöl Anfang April 2026 auf 138 US-Dollar pro Barrel.
Verarbeiteter Diesel verteuerte sich im gleichen Zeitraum noch stärker auf 197 US-Dollar pro Barrel.
Dies führte im Euroraum zu einem Sprung des Diesel-Tankstellenpreises von 1,63 Euro Ende Februar auf 2,18 Euro pro Liter in der ersten Aprilwoche – ein Anstieg um ein Drittel.
Rohölpreisänderungen werden meist innerhalb von ein bis zwei Monaten vollständig an die Verbraucher weitergegeben.
Ein Preisanstieg beim Rohöl um 0,10 Euro pro Liter schlägt sich in der Regel 1:1 in höheren Preisen vor Steuern nieder.
Die Kernursache für den massiven Anstieg waren diesmal jedoch extrem gestiegene Raffineriemargen durch den Ausfall von Kapazitäten.
Dämpfende Steuern und verengte Nadelöhre
Prozentual stiegen die Preise an der Zapfsäule mit etwa 34 Prozent deutlich schwächer als die Rohölpreise mit über 90 Prozent.
Der Grund liegt im hohen Anteil fester Preisbestandteile: Energiesteuern und Mehrwertsteuer machen einen Großteil des Endpreises aus und dämpfen die relativen Schwankungen ab.
Die Schließung der Straße von Hormus verknappte zudem das globale Raffinerieangebot im zweiten Quartal 2026 um 4,5 Millionen Barrel pro Tag.
Die Marge für Diesel stieg dadurch sprunghaft von 0,10 Euro auf 0,26 Euro pro Liter im März an.
Raffinerien im Scheinwerferlicht
Die Studie legt offen, dass nicht nur Rohöl, sondern vor allem verengte Raffineriekapazitäten die Inflation anheizen.
Temporäre Steuersenkungen lindern die Symptome, lösen aber das strukturelle Nadelöhr nicht.
Gegen solche geopolitisch getriebenen Angebotsschocks bleibt die konventionelle Geldpolitik letztlich machtlos.
Quelle: From well to pump: how fuel prices are formed
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