Chinas Exporte trotzen US-Zöllen: Rolle der Handelsumlenkung begrenzt
Eine EZB-Analyse untersucht die Auswirkungen neuer US-Zölle auf Chinas Exportentwicklung im Jahr 2025. Die Studie zeigt, dass die Handelsumlenkung eine begrenzte Rolle spielt und andere Faktoren dominieren.
US-Markt bricht ein, andere Regionen expandieren
Die globalen Handelsströme wurden 2025 durch neue US-Zölle neu geordnet.
Während die US-Importe aus China um 20 Prozent sanken, überraschten Chinas Exporte insgesamt mit einem Wachstum von 5,5 Prozent im Jahr 2025 (2024: 4,6 Prozent).
Die Exporte in die Eurozone stiegen um 8 Prozent (32 Mrd. US-Dollar), in die ASEAN-Länder um 13 Prozent und nach Afrika sogar um 26 Prozent (46 Mrd. US-Dollar).
Der Rückgang der Exporte in die USA um 104 Mrd. US-Dollar wurde durch Zuwächse in anderen Regionen, insbesondere ASEAN, weitgehend kompensiert.
Modellschätzungen legen nahe, dass die Zölle die US-Importe aus China um etwa 9 Prozent reduzierten, während der tatsächliche Rückgang 17 Prozent betrug.
Diese Diskrepanz deutet auf weitere Einflussfaktoren hin.
Handelsumlenkung begrenzt, andere Treiber im Vordergrund
Die empirischen Belege für eine breite Handelsumlenkung chinesischer Exporte infolge der US-Zölle sind begrenzt.
Statistische Signifikanz zeigt sich nur für Afrika und die ASEAN-Länder, während der Effekt auf die Eurozone bescheiden und statistisch nicht signifikant ist.
Insbesondere bei Konsumgütern gibt es Hinweise auf eine Umlenkung.
Ein wichtiger Mechanismus ist die Handelsumlenkung über Intermediärländer wie die ASEAN-Staaten, deren Exporte in die USA im Jahr 2025 zunahmen.
Insgesamt wird die Stärke der chinesischen Exporte in andere Märkte jedoch eher durch vorbestehende Trends erklärt, wie schwache Binnennachfrage, Überkapazitäten und sinkende Exportpreise.
Komplexes Geflecht statt einfacher Umlenkung
Die Studie relativiert die Annahme einer umfassenden Handelsumlenkung durch US-Zölle.
Sie zeigt, dass globale Handelsströme von einem komplexen Zusammenspiel aus Zöllen, Währungseffekten, Binnennachfrage und Lieferkettenintegration beeinflusst werden.
Für die Politik bedeutet dies, dass unilaterale Zollmaßnahmen oft nicht die gewünschten Effekte erzielen und unbeabsichtigte Anpassungsmechanismen auslösen.