EU-Erwerbsquote bleibt stabil trotz Einbrüchen bei jungen Kräften
Die aggregierte Erwerbsquote in der EU reagiert kaum auf konjunkturelle Wachstumsschocks, während die Arbeitslosigkeit über vier bis fünf Jahre ansteigt. Dies belegt eine Studie der EZB anhand von Mikrodaten aus 15 EU-Ländern und 114 Regionen über den Zeitraum 2000 bis 2020.
Europas aggregierte Schockresistenz
Eine Untersuchung von Corinne Petrakis und David Sondermann analysiert die zyklische Reaktion des europäischen Arbeitsmarktes auf regionale Wachstumsschocks.
Ein temporärer Rückgang des BIP-Wachstums um einen Prozentpunkt senkt die Beschäftigungsquote nach drei Jahren um 0,41 Prozentpunkte und lässt die Arbeitslosenquote um 0,50 Prozentpunkte steigen.
Beide Indikatoren erholen sich erst nach rund fünf Jahren.
Die aggregierte Erwerbsquote bleibt hingegen über alle Zeithorizonte hinweg nahezu unberührt.
Damit unterscheidet sich die Europäische Union grundlegend von den USA, wo die Partizipationsrate nach Schocks über vier Jahre fällt und acht Jahre zur Erholung benötigt.
Kündigungsschutz und Kurzarbeit stützen die Partizipation in der EU.
Männer verlieren, Frauen federn ab
Hinter der aggregierten Stabilität verbergen sich gegenläufige Dynamiken einzelner Gruppen.
Während die Erwerbsquote von Männern nach einem Schock um 0,15 Prozentpunkte nachgibt, bleibt jene von Frauen stabil.
Frauen kompensieren Einkommensverluste der Haushalte und arbeiten häufiger im krisenfesten Dienstleistungssektor.
Junge Arbeitskräfte im Alter von 15 bis 24 Jahren erleiden dagegen Einbrüche bei der Erwerbsbeteiligung, die bis zu acht Jahre anhalten.
Bei Nicht-EU-Bürgern steigt die Arbeitslosenquote um 0,96 Prozentpunkte.
Trügerische Ruhe im Aggregat
Die Studie entlarvt die trügerische Ruhe der europäischen Gesamtzahlen.
Wenn konjunkturelle Dellen junge Kohorten für fast ein Jahrzehnt aus dem Erwerbsleben drängen, greift eine reine Fokussierung auf die Arbeitslosenquote zu kurz.
Notenbanken müssen diese verdeckte Unterauslastung in ihren Projektionen berücksichtigen.