Zeitungs-Narrative erklären Höhe von Inflationsrisikoprämien
Zeitungsberichte über Angebot und Nachfrage liefern verlässliche Signale für die Bepreisung von Inflationsrisiken. Eine EZB-Studie zeigt, dass Inflationsrisikoprämien im Euroraum und in den USA steigen, wenn Medienberichte von angebotsgetriebener Teuerung dominieren.
Angebotsdruck treibt Risikoprämien
Die Ökonomen Luís Fonseca, Giulia Martorana, Fabian Schupp und Giovanni Trebbi weisen anhand von Medienberichten der Financial Times und des Wall Street Journal von 2005 bis 2024 nach, dass Inflationsrisikoprämien invers zur Variable NetDemand verlaufen.
Überwiegen Berichte über Nachfragetreiber, sinken die Risikoprämien an den Swap- und Anleihemärkten; dominieren hingegen Angebotsschocks, steigen die Prämien spürbar.
Dieser Zusammenhang zeigt sich über Laufzeiten von zwei, fünf und zehn Jahren und bleibt auch unter Kontrolle von Einkaufsmanagerindizes (PMI) sowie des Volatilitätsindex VIX statistisch signifikant.
Vor allem Berichte über Rohstoff- und Energiepreise treiben die Prämien.
Kausalextraktion schlägt Standardmodelle
Methodisch nutzt die Analyse Kausalextraktion (Causality Extraction), um tatsächliche Ursachenketten im Text von reiner Kookkurrenz zu trennen.
Die Wirkung von NetDemand verstärkt sich bei hoher Risikoaversion in den USA sowie bei erhöhter Inflationsvolatilität im Euroraum um 30 bis 50 Prozent.
Weder Umfragen unter professionellen Prognostikern (SPF) noch makroökonomische Dekompositionen oder LLM-basierte Textanalysen können den Informationsgehalt dieser täglichen Narrativ-Daten vollständig absorbieren.
Mehr als nur Medienrauschen
Narrative Ursachenzuschreibungen steuern reale Zinsaufschläge an den Rentenmärkten messbar und direkt.
Dass die gezielte Kausalextraktion einfache Standard-Sprachmodelle übertrifft, belegt den Wert methodischer Präzision.
Notenbanker erhalten damit ein wertvolles Frühwarnsystem für angebotsgetriebene Risikoprämien.
Quelle: Inflation narratives and risk premia
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