Schnabel warnt vor Haushaltsrisiken und schwachem Potenzialwachstum
ECB Rede

Schnabel warnt vor Haushaltsrisiken und schwachem Potenzialwachstum

EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat beim BMWE-Symposium vor wachsendem Druck auf die europäischen Staatsfinanzen gewarnt. Steigende Ausgaben für Verteidigung, Zinsen, Alterung und Dekarbonisierung treffen auf ein sinkendes Potenzialwachstum im Euroraum.

Stabile Banken, aber steigender Schuldendruck

Die Wirtschaft des Euroraums hat sich laut Schnabel gegenüber schweren Schocks widerstandsfähig gezeigt.

Die EZB führte die Inflation ohne Rezession und mit historisch niedrigen Wohlstandsverlusten zum Ziel zurück.

Strenge Bankenregulierung und solide Kernkapitalquoten machten Institute zu Stoßdämpfern.

Während der private Sektor seine Verschuldung reduzierte, fingen die öffentlichen Haushalte die Belastungen auf.

Nun steigen die Ansprüche an die Staatskassen durch Verteidigung, Zinsausgaben, Demografie und Klimawandel massiv.

Für Deutschland zeigt die Analyse: Die Wirkung zusätzlicher Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben hängt entscheidend von der Zusammensetzung ab – nur produktive Investitionen steigern das Wachstum nachhaltig.

Innovationslücke und schrumpfende Exportanteile

Europa verliert bei globalen Exportmarktanteilen gegenüber den USA und China an Boden.

Gleichzeitig bremst ein verlangsamtes Potenzialwachstum die wirtschaftliche Dynamik.

Bei Zukunftstechnologien wie Biotechnologie, IT und Künstlicher Intelligenz liegt die EU bei Patentanmeldungen sowie beim Wagniskapital weit hinter den USA zurück.

Schnabel plädiert daher für eine europäische Wachstumsagenda: Vollendung des Binnenmarktes, schnellere KI-Adaption und das Erreichen des EU-Ziels von 42,5 Prozent erneuerbaren Energien bis 2030.

Investieren statt konsumieren

Schnabels Analyse legt den Finger in die offene Wunde der europäischen Finanzpolitik.

Wer steigende Rüstungs- und Zinslasten ohne echte Produktivitätsreformen schultert, riskiert eine gefährliche Überlastung der Staatshaushalte.

Ohne einen tiefen Kapitalmarkt und private Wagnisinvestitionen wird Europa den Anschluss an die USA endgültig verlieren.

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