Schnabel verteidigt Zinserhöhungen auf 2,5 Prozent
ECB Rede

Schnabel verteidigt Zinserhöhungen auf 2,5 Prozent

EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat die Zinsanhebungen auf 2,5 Prozent verteidigt. Wegen überlappender Schocks aus Nahost-Krise, KI-Boom und Fiskalausgaben dürfe die Notenbank nicht warten, bis sich Zweitrundeneffekte voll im Preisgefüge festsetzen, so Schnabel am 30. September.

Kein Freibrief für Angebotsschocks

Seit Juni hat der EZB-Rat die Leitzinsen in zwei Schritten um insgesamt 50 Basispunkte erhöht und den Einlagenzins auf 2,5 Prozent gebracht.

Schnabel wies die Ansicht zurück, Zentralbanken müssten angebotsseitige Energieschocks stets ignorieren.

Entscheidend sei die Auswirkung auf den projizierten Inflationspfad: Treibt ein Schock die Teuerung mittelfristig über das Ziel von 2 Prozent, sei eine Straffung optimal.

Laut den September-Projektionen sinkt die HVPI-Inflation von 3,0 Prozent im laufenden Jahr auf 2,1 Prozent 2028.

Die Kernrate soll jedoch 2027 auf 2,6 Prozent steigen und 2028 bei 2,3 Prozent verharren.

Ein Zuwarten wäre fahrlässig: „Zentralbanken können nicht warten, bis sich diese Effekte materialisieren“, so Schnabel.

Gleichzeitigkeit der Belastungen

Die Teuerung trifft auf eine Wirtschaft im Dauerstress durch mehrfache Impulse.

Neben dem Nahost-Konflikt wirken der Handelszoll-Schock von 2025, massive Ausgaben für Verteidigung sowie ein deutsches Fiskalpaket nachfrageseitig stimulierend.

Zugleich treibt der weltweite KI-Boom Investitionen und Halbleiterpreise.

Die Kreditvergabe an IT-Konzerne zeigt sich unempfindlich gegenüber höheren Zinsen.

Dies deutet darauf hin, dass die Geldpolitik womöglich noch gar nicht restriktiv wirkt oder der neutrale Zins r* gestiegen ist.

Abschied vom Durchschauen

Schnabel trimmt die EZB-Kommunikation auf eine anhaltend restriktive Linie.

Das Ende des simplen Ignorierens von Angebotsschocks stärkt die Glaubwürdigkeit der Notenbank im Dauerfeuer neuer Krisen.

Für hochverschuldete Staaten und Unternehmen begräbt diese Doktrin allerdings jede Hoffnung auf baldige Zinssenkungen.

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