Frauen zeigen weniger Finanzwissen, aber gleich umsichtiges Verhalten
ECB Studie

Frauen zeigen weniger Finanzwissen, aber gleich umsichtiges Verhalten

Frauen schneiden beim Finanzwissen schlechter ab, nicht jedoch beim Finanzverhalten. Das Finanzbildungsnetzwerk des Eurosystems zeigt anhand einer OECD/INFE-Erhebung von 2022 in 20 EU-Staaten besonders große Wissenslücken bei Anlagethemen.

Anlagewissen trennt die Geschlechter

In 18 von 20 untersuchten EU-Staaten ist der Geschlechterunterschied beim Finanzwissen statistisch nachweisbar.

Grundlage sind sieben Wissensfragen der OECD/INFE-Erhebung von 2022.

Bei Anlagethemen beträgt die Lücke 16 Prozent, bei Alltagsfragen 5 Prozent.

Frauen sind überall unter den Bestplatzierten unterrepräsentiert.

Auch bei vergleichbaren persönlichen Merkmalen gehören sie mit 11 Prozent geringerer Wahrscheinlichkeit zur Spitzengruppe und mit 4 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit zur schwächsten Gruppe.

Beim Finanzverhalten besteht dagegen kaum ein Unterschied: Frauen berichten häufig umsichtigere Haushaltsführung, überlegtere Käufe und pünktlichere Zahlungen.

Die Autoren vertreten nicht notwendigerweise die Position der Europäischen Zentralbank (EZB).

Bildung und finanzielle Widerstandskraft

Hochgebildete gehören mit 12 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit zur Spitzengruppe und mit 8 Prozent geringerer zur schwächsten Gruppe; bei Erwerbstätigen sind es 7 und 6,5 Prozent.

In jeweils neun von 20 Staaten besitzen Frauen seltener Anlageprodukte beziehungsweise sind finanziell weniger widerstandsfähig.

Zwischen minimalem und maximalem Wissen steigt die modellierte Resilienzwahrscheinlichkeit von 12 auf 41 Prozent, die des Anlagebesitzes von 15 auf 44 Prozent.

Resilienz umfasst unerwartete Ausgaben und drei Monate Ausgabendeckung nach Arbeitsplatzverlust.

Die Befunde belegen keine Kausalität.

Wissen stärken, Verhalten nutzen

Die Autoren empfehlen länderspezifische Finanzbildung statt eines einheitlichen Modells.

Sie setzen auf das umsichtige Finanzverhalten von Frauen, um Selbstvertrauen und Anlagewissen auszubauen.

Weitere Forschung soll institutionelle und strukturelle Ursachen der Länderunterschiede klären.

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