FABART-Modell belegt asymmetrische Folgen von Ölschocks
Das neue FABART-Modell der EZB belegt eine asymmetrische Übertragung von Ölpreisschocks auf die Wirtschaft. Negative Angebots-Schocks verursachen stärkere BIP- und Beschäftigungsrückgänge als positive Schocks Gewinne bringen.
Bäume erkennen komplexe Preismuster
Das entwickelte FABART-Modell kombiniert hochdimensionale Makro- und Finanzdaten mit Bayesianischen additiven Regressionsbäumen.
So lassen sich nichtlineare Effekte ohne vordefinierte Funktionsformen direkt aus den Daten schätzen.
Die Autoren Eoghan O'Neill und Sofia Velasco untersuchen damit die Übertragung von Ölangebots-Schocks auf die US-Wirtschaft zwischen 1974 und 2019.
Ein negativer Schock, der den Ölpreis um 10 Prozent anhebt, führt zu signifikanten und anhaltenden Rückgängen der Industrieproduktion sowie zu steigenden Verbraucherpreisen.
Im Gegensatz dazu erzeugen gleich große positive Schocks, die den Ölpreis senken, deutlich schwächere expansive Effekte.
Zudem verändert die Einbindung vorausschauender Finanzvariablen die Schätzergebnisse spürbar.
Industrie leidet, Ölstaaten profitieren
Auf Ebene der US-Bundesstaaten offenbart die Analyse erhebliche Unterschiede im Arbeitsmarkt.
Industriell geprägte Staaten wie Michigan oder Ohio erleiden bei negativen Ölschocks besonders starke Beschäftigungseinbußen.
Dagegen zeigen ölfördernde Bundesstaaten wie Wyoming oder North Dakota abfedernde oder sogar positive Beschäftigungseffekte.
Bei der Schockgröße zeigt sich, dass kleine Ölpreisbewegungen um 1,5 Prozent kaum messbare Wirkungen entfalten.
Bereits moderate Schocks von 5 Prozent lösen jedoch ausgeprägte Effekte aus, die sich bei 10 Prozent nicht mehr proportional verstärken.
Schluss mit linearen Scheuklappen
Die Studie zeigt deutlich, dass lineare Modelle die Risiken von Ölschocks unterschätzen.
Methodisch setzt der flexible FABART-Ansatz neue Maßstäbe für die empirische Analyse.
Notenbanken sollten ihre Analysen künftig nicht mehr auf starre Symmetrieannahmen stützen.