Neue EZB-Modelle verbessern Vorhersage von Konjunkturrisiken
Ein Expertenteam der EZB hat ein erweitertes Macro-at-Risk-Framework zur Quantifizierung von Extremrisiken für BIP-Wachstum und HICP-Inflation im Euroraum entwickelt. Die Analyse zeigt, dass Kombinationen unterschiedlicher Indikatorengruppen Einzelmodelle systematisch übertreffen.
Komplementäre Indikatoren schlagen Einzelfaktoren
Das neue Rahmenwerk basiert auf Quantilregressionen und nutzt einen Datensatz von rund 350 vierteljährlichen Indikatoren.
Die Ergebnisse belegen, dass die Prognosekraft einzelner Risikotreiber stark vom Zeithorizont und der Risikorichtung abhängt.
Für die Inflation erweisen sich Arbeitsmarktindikatoren wie die Arbeitslosenquote als besonders informativ für Aufwärtsrisiken, während Unsicherheits-, Geld- und Kreditvariablen Abwärtsrisiken besser anzeigen.
Beim BIP-Wachstum dominieren finanzielle Bedingungen und Geldmenge bei kurzen Horizonten, während auf lange Sicht Arbeitsmarkt- und externe Faktoren an Bedeutung gewinnen.
Das Ineinandergreifen unterschiedlicher Indikatorengruppen steigert die Genauigkeit drastisch.
Methodische Brücke zur Notenbankpraxis
Für die praktische Einbindung in den Projektionsprozess des Eurosystems entwickelten die Forscher die MATLAB-Toolbox M@RX.
Zwei methodische Innovationen stechen hervor: Eine Copula-Methodik aggregiert hochfrequente Quartalsprognosen verlässlich zu Jahresdurchschnitten, während ein parametrischer Tilting-Ansatz die Dichteverteilungen an den Punktschätzungen der EZB-Experten ausrichtet.
In einer empirischen Anwendung zeigte das Modell Ende 2022 treffsicher anhaltende Aufwärtsrisiken für die Inflation auf und bewährte sich als Frühwarnsystem in Phasen hoher Unsicherheit.
Wichtiger Werkzeugkasten mit blinden Flecken
Das Framework schließt eine wichtige Lücke bei der Quantifizierung extremer Risiken rund um den EZB-Pfad.
Allerdings stößt der reduzierte Ansatz bei exogenen Schocks wie Pandemien rasch an seine Grenzen.
Ohne kausale Fundierung bleibt das Tool ein nützlicher Kompass, ersetzt aber keinesfalls ökonomische Urteilskraft.