Moderate Aktivität und steigender Preisdruck im Euroraum
Eine EZB-Befragung von 76 führenden Unternehmen zeigt für das zweite Quartal ein moderates Wachstum und dämpft die Erwartungen an den Arbeitsmarkt. Der Nahostkonflikt und steigende Ölpreise verstärken zudem den Preisdruck in der Industrie.
Naher Osten bremst, Asien liefert
Repräsentanten von 76 führenden Unternehmen im Euroraum berichten von einem moderaten Wachstum der Wirtschaftsaktivität im zweiten Quartal und einer unveränderten Dynamik für das dritte Quartal 2026.
Der Konflikt im Nahen Osten und der Anstieg der Treibstoffpreise dämpften zwar den Reiseverkehr und die privaten Konsumausgaben spürbar, die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen blieben jedoch begrenzt.
Dies lag vor allem daran, dass europäische Firmen von temporären Störungen bei asiatischen Wettbewerbern sowie von vorgezogenen Käufen profitierten.
Dadurch verschob sich die Wachstumszusammensetzung spürbar zugunsten des verarbeitenden Gewerbes und weg vom Dienstleistungssektor.
Weltweite Handelsstrukturen zeigten sich zudem robust.
Künstliche Intelligenz als Wachstumsmotor
Der Boom bei Künstlicher Intelligenz treibt die Investitionen und Ausgaben der Unternehmen stark an.
Gefragt sind vor allem sovereign Cloud-Infrastrukturen und der Halbleitersektor, während herkömmliche Investitionen unter Wettbewerbssorgen und hohen Kosten leiden.
Die Beschäftigungsdynamik bleibt verhalten, da Firmen vermehrt auf Automatisierung setzen, um Arbeitskosten zu senken.
Gleichzeitig rechnen die befragten Unternehmen im Durchschnitt mit einem weiteren Rückgang des Lohnwachstums auf 2,5 Prozent im Jahr 2026.
Preisschübe ohne Lohnspirale
Die Umfrage offenbart eine hohe Resilienz der Lieferketten trotz geopolitischer Krisen.
Zwar schlagen gestiegene Energiekosten schnell auf Zwischenprodukte durch, eine Lohn-Preis-Spirale bleibt jedoch aus.
Dies stützt den disinflationären Trend, auch wenn der Margendruck in einigen Branchen anhält.