Leitzinsen bleiben nach Zinserhöhung im Juni vorerst stabil
Keine weitere Erhöhung im Juli: Der EZB-Rat hat die drei Leitzinsen nach der Anhebung im Juni vorerst unverändert belassen. Trotz des Inflationsrückgangs auf 2,8 Prozent im Juni warnten mehrere Mitglieder vor anhaltenden Aufwärtsrisiken durch den Nahost-Konflikt.
Atempause zwischen Nahost-Schock und Zieldisziplin
Chefvolkswirt Philip Lane schlug dem EZB-Rat vor, die drei Leitzinsen nach dem Zinsschritt im Juni nicht anzutasten.
Die Gesamtinflation im Euroraum sank im Juni auf 2,8 Prozent nach 3,2 Prozent im Mai, während die Kerninflation auf 2,4 Prozent nachgab.
Isabel Schnabel betonte in ihrer Marktanalyse, dass die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz die Finanzmärkte dominieren.
Zwar sank der Ölpreis auf 89 Dollar je Barrel, doch stiegen die europäischen Gaspreise seit Juni um 16 Prozent.
Mehrere Ratsmitglieder verwiesen auf das Risiko einer verzögerten Reaktion und betonten, dass sie einer sofortigen Zinserhöhung nicht widersprochen hätten.
Der Rat einigte sich dennoch auf ein Abwarten bis zu den September-Projektionen.
Robuste Konjunktur und verborgene Zweitrundeneffekte
Die Wirtschaft im Euroraum zeigt sich trotz geopolitischer Belastungen widerstandsfähig.
Die Arbeitslosenquote verharrte im Mai bei 6,2 Prozent nahe historischen Tiefstständen.
Der EZB-Lohn-Tracker signalisiert mit 2,6 Prozent Zuwachs bei den Tariflöhnen für das laufende Jahr einen moderaten Lohndruck.
Das Kreditwachstum an Unternehmen beschleunigte sich im Mai auf 4,0 Prozent nach 3,4 Prozent im Vormonat.
Dennoch warnen die Währungshüter vor verspäteten Zweitrundeneffekten durch teurere Vorprodukte und Gaspreise.
Nur geliehene Ruhe bis zum Herbst
Die Zinspause verschafft dem Rat Zeit, löst das Dilemma zwischen Geopolitik und Preisen jedoch nicht.
Indem einige Mitglieder offen mit weiteren Anhebungen liebäugeln, wird die September-Sitzung zum Richtungsentscheid.
Für Investoren ist das Signal eindeutig: Der Straffungszyklus ist keineswegs beendet.
Quelle: Meeting of 22-23 July 2026
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