Hohe Staatsschulden erfordern höhere Zinsen für Preisstabilität
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Hohe Staatsschulden erfordern höhere Zinsen für Preisstabilität

Hohe Staatsschulden entziehen Zentralbanken nicht zwangsläufig die Kontrolle über die Inflation, erklären Stéphane Dupraz und Anna Rogantini Picco. Ihre Modellanalyse verlangt jedoch, Zinsen direkt an steigende Schulden anzupassen.

Schulden verändern den stabilisierenden Zins

Stéphane Dupraz von der französischen Zentralbank und Anna Rogantini Picco von der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen, wie Staatsschulden den natürlichen Zins erhöhen.

Haushalte betrachten Staatsanleihen als Vermögen und geben einen Teil schuldenfinanzierter Transfers aus, statt alles für spätere Steuern zurückzulegen.

Die zusätzliche Nachfrage erzeugt Inflationsdruck.

Im Modell sichert eine direkte Zinsreaktion auf steigende Schulden die Preiskontrolle.

Erst bei etwa dem 5,4-Fachen des jährlichen BIP erreicht die Verschuldung die geschätzte Grenze dieser Kontrolle, weit oberhalb heutiger Schuldenquoten entwickelter Volkswirtschaften.

Darüber können höhere Zinserträge den Konsum sogar stärken.

Die Aussagen geben nicht zwingend die Position der EZB oder des Eurosystems wieder.

Drei Basispunkte je zusätzlichem Schuldenpunkt

US-Schätzungen zufolge erhöht ein zusätzlicher Prozentpunkt Staatsschulden relativ zum BIP die langfristigen Zinsen um etwa 3 Basispunkte.

Borusyak, Jaravel und Spiess ermitteln, dass US-Haushalte 8–11 Prozent ihrer Steuererstattungen von 2008 noch im selben Quartal für Verbrauchsgüter ausgaben.

Damit sparen sie Transfers nicht vollständig für künftige Steuern.

Der Maastricht-Vertrag setzte Grenzen von 3 Prozent für Defizite und 60 Prozent für Schulden relativ zum BIP; Klimaschutz und Verteidigung erhöhen heute den Finanzierungsbedarf.

Nicht erst auf Inflation reagieren

Nach der Analyse greift eine reine Reaktion auf Inflation zu kurz.

Höhere Zinsen bremsen zwar die heutige Nachfrage, erhöhen aber auch künftige Schulden und damit den späteren Preisdruck.

Die Autoren verstehen Schuldenbeobachtung deshalb als Teil der Geldpolitik, nicht als Übernahme der Fiskalpolitik.

Quelle: Monetary policy in times of high public debt

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