Stresstest-Modelle trennen Solvenzrisiken von Ertragsschwächen
Ökonomen der EZB und nationaler Notenbanken stellen zwei neue Quartalsindikatoren vor, die Solvenz- und Rentabilitätsrisiken europäischer Banken zwischen den zweijährlichen Stresstests messen. Die Modelle nutzen Daten aus EBA-Stresstests und Bilanzstatistiken von 94 Instituten.
Solvenzdruck und Ertragskraft im Quartalstakt
Die Autoren Cyril Couaillier, Finn Faber, Joana Passinhas, Costanza Rodriguez d’Acri und Frances Shaw entwickeln zwei komplementäre Maße: Der Stress Vulnerability Index (SVI) simuliert die dreijährige Kernkapitalzehrung (CET1) unter adversen Schocks anhand von Daten der EBA-Stresstests 2018 bis 2023 für 93 Banken.
Als Haupttreiber erweisen sich Arbeitslosigkeit, BIP-Entwicklung und Immobilienpreise.
Der Profitability Vulnerability Index (PVI) nutzt Quantilregressionen für das 15. Perzentil der Gesamtkapitalrendite von 94 Instituten über den Zeitraum 2001 bis 2024.
Er bildet die laufende Ertragskraft und Zinsmargen ab.
Beide Kennzahlen werden als Diffusionsindizes zwischen 0 und 1 normiert und schließen die Informationslücke zwischen den zweijährlichen Aufsichtsstresstests.
Entkopplung in Zinswendephasen
Während beide Indizes in schweren Krisen synchron steigen, treten außerhalb akuter Schocks signifikante Divergenzen auf.
Im Straffungszyklus 2022 bis 2023 sank der PVI dank gestiegener Zinsüberschüsse, während der SVI infolge von Rezessions- und Kreditrisiken anzog.
Dieses Auseinanderdriften liefert makroprudenziellen Behörden eine Begründung dafür, bestehende Kapitalpuffer trotz hoher Bankgewinne nicht abzubauen.
Zudem validieren die Autoren ihre Indikatoren anhand historischer Staatshilfen: Hohe Indexwerte korrelierten signifikant mit späteren Rekapitalisierungen und Garantien.
Gewinne blenden, Risiken bleiben
Das Papier schließt eine methodische Lücke zwischen den statischen Stresstest-Runden.
Die saubere Trennung von Ertragsspitzen und Solvenzrisiken entlarvt scheinbar robuste Bilanzen.
Für Aufsichtsbehörden liefert dies eine solide Handhabe, um Kapitalpuffer gegen Lobbydruck zu verteidigen.